KREUZBERGVerreisen und gleichzeitig in den eigenen vier Wänden sein ­ seit es Wohnwagen gibt, ist dieser Wunsch endlich erfüllbar geworden. Den mobilen Ferienwohnungen und ihrer Geschichte widmet sich jetzt die Ausstellung "Eins, zwei, drei ­ Haus dabei" im Museum für Verkehr und Technik.Irgendwann hatte Max Würdig die Faxen dicke: Weil er gemeinsam mit seiner Freundin wegen moralischer Bedenken der Vermieter nur schwer eine Bleibe in Hotels oder Pensionen fand, beschloß der Fahrzeugbauer aus dem sächsischen Bad Düben, selbst Abhilfe zu schaffen. Er entwikkelte ein fahrendes Zwei-Bett-Zimmer. Die nach ihrer seltsamen Form genannte "Wanderniere" fand so große Resonanz, daß Würdig in den 30er Jahren eine kleine Serienproduktion startete. Bis zur Privatisierung des kleinen Unternehmens 1972 produzierte die Firma bis zu 90 Gefährte jährlich. Der Wohnwagen, inzwischen liebevoll "Dübener Ei" genannt, behielt (wohl aus alter Tradition) seine Spitztüten-Form gut 50 Jahre. Sein Preis vor der Wende: 6 545 Ost-Mark.Das "Dübener Ei" ist einer von 20 Wohnwagen, die seit gestern im Kreuzberger Technikmuseum die Geschichte der "Wohnungen auf Rädern" beleuchten. Viele der einst hundert Wohnwagen-Hersteller in Deutschland kamen übrigens aus dem Flugzeugbau.Und sie zeigten jede Menge Erfinderreichtum, wenn es ums Konstruieren ging: Die "Austermann Knospe" aus dem Jahre 1957 verdiente ihren Namen absolut zu Recht: Weil ausreichend Platz im Wagen sein sollte, der Transport mit dem PS-schwachen Käfer bei Gegenwind aber zu einer wahren Zerreiß-Probe für Auto und Anhänger werden konnte, ließ sich Konstrukteur Heinz Austermann etwas einfallen: Wurde der 2,50 Meter breite Wagen nicht mehr gebraucht, konnte er mit Hilfe einer Kurbel auf beachtliche 1,35 Meter zusamme ngeschraubt werden. Aber auch das Münchner Produkt "Piccolo" aus dem Jahr 1955 war nicht ohne: Der winzige Anhänger, nur 110 Kilo schwer, verlangte von seinen Besitzern bestimmte Voraussetzungen: Sie durften ­ um sich nachts noch umdrehen zu können ­ nicht allzu beleibt sein. Wer dem entsprach, konnte auf weite Reisen gehen: "Piccolo" konnte zusätzlich als Boot genutzt werden.Claudia FuchsDas Technikmuseum an der Trebbiner Straße 9 hat dienstags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr geöffnet, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr.