BERLIN, 4. Juli. Die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) Berlin erhält eine neue Struktur. Der Senat beschloss am Dienstag, die KPM in eine Verwaltungs- und Vermögensgesellschaft sowie in eine Produktions- und Vertriebsgesellschaft aufzuteilen. In die "neue KPM" werden von den derzeit 235 Beschäftigten 208 Mitarbeiter übernommen, teilte Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) nach der Senatssitzung mit."Der Name bleibt, die KPM ist ein Berliner Kulturerbe", sagte Branoner. Die Herstellung des Porzellans, Marketing und Vertrieb werden künftig von einer hundertprozentigen Tochterfirma der Investitionsbank Berlin (IBB) übernommen - der "neuen KPM".Gebäude werden saniertDie bisherige KPM, in der nur noch wenige Mitarbeiter tätig sein werden, ist zuständig für die betriebsnotwendigen Immobilien sowie für die Verwaltung von drei Gebäuden, die nicht mehr gebraucht werden. Diese denkmalgeschützten Gebäude müssen aber saniert werden und sollen anschließend verkauft oder vermietet werden. "Dies wird in Zusammenarbeit mit der Gewerbesiedlungsgesellschaft geschehen", sagte Branoner. Wichtig sei jedoch, dass die traditionsreiche KPM ihren Standort in der Mitte der Stadt behalte, sagte der Wirtschaftssenator. Wie mehrfach berichtet, versucht der Senat seit Jahren, die 250 Jahre alte Königliche Porzellan-Manufaktur wettbewerbsfähig zu machen. 1998 kam der Betrieb bei 25 Millionen Mark Umsatz auf rund zehn Millionen Mark Verlust. Anfang Mai dieses Jahres drohte erneut die Zahlungsunfähigkeit, die erst nach schwierigen Verhandlungen zwischen dem Wirtschaftssenator, den Vertretern der Porzellan-Manufaktur, der IBB und der Bankgesellschaft Berlin abgewendet werden konnte. "Der Markt für Zierporzellan schrumpft erheblich", sagte Branoner. Die Neustrukturierung der KPM inklusive der Übernahme der finanziellen Verpflichtungen und den geplanten Investitionen habe einen Umfang von rund 70 Millionen Mark, teilte der Senator mit. Details wollte er nicht nennen.Die Königliche Porzellan-Manufaktur, der älteste Gewerbebetrieb in Berlin, soll künftig nicht nur hochwertiges Porzellan, sondern auch mehr Souvenir- und Geschenkartikel im gehobenen Preissegment anbieten. Vor allem das Marketing und der Vertrieb müsse verbessert werden, kündigte der Wirtschaftssenator an. So seien Partnerschaften mit anderen Unternehmen geplant. "Die KPM muss dann in anderen Städten keine eigenen Läden aufmachen, sondern dies kann in Kooperation geschehen", sagte Branoner. Verhandelt wird derzeit über eine Zusammenarbeit mit Herstellern von Markenartikeln wie dem Glas-Unternehmen Swarowsky. Dringend erforderlich ist nach Auffassung des Senats auch ein neues Marketing-Konzept. "16 Prozent kennen den Markennamen KPM", sagte Branoner. "Aber 60 Prozent der Menschen kennen das Meißner Porzellan." Mit Hilfe einer neuen Werbestrategie und der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen soll die Königliche Porzellan-Manufaktur ihren Bekanntheitsgrad in den nächsten Monaten steigern. Darüber hinaus will der Senat die Kosten in der KPM weiter reduzieren. Dies betrifft auch die Personalkosten und damit die Zahl der Mitarbeiter. Wie viele Beschäftigte in der "alten KPM" verbleiben, sei aber noch unklar, sagte Branoner. Das Land Berlin übernimmt von der KPM die Pensionszahlungen von derzeit rund einer Million Mark jährlich. Rund die Hälfte dieser Summe müsse für die Pensionen von ehemaligen KPM-Geschäftsführern aufgebracht werden, die in den vergangenen Jahren mehrfach ausgetauscht wurden.Neuer GeschäftsführerAuch jetzt soll ein neuer Geschäftsführer berufen werden. Der 51-jährige Bernd J. Hollmann besitze "langjährige Erfahrung" in Vertrieb und Marketing von Porzellan, sagte Branoner. Hollmann plane "die Optimierung der KPM Galerien, die im Rahmen eines ,Leuchtturmkonzeptes die Manufakturmarke KPM ins In- und Ausland transportieren solle", kündigte der Wirtschaftssenator an.REFORM Personalkosten werden gesenkt // In der KPM sind derzeit noch 235 Mitarbeiter beschäftigt. Die Zahl soll auf 208 reduziert werden, um die Kosten zu senken. // HANSJOACHIM MIRSCHEL Die aufwändigen Porzellanschüsseln aus dem Hause KPM werden in mühevoller Handarbeit bemalt.