Mobile Telefone läuten künftig auch in der Berliner U-Bahn. Die Mobilfunk-Netzbetreiber wollen jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen. Die Nase vorn hat dabei "E-Plus". Das Unternehmen beginnt nach Verhandlungen mit der BVG bereits im Sommer mit den nötigen Installationen.Mit ihren Plänen wollen "E-Plus" und BVG nun auch eine der letzten Handy-freien Lücken schließen. Bisher war das Telefonieren im U-Bahnzug oder auf den unterirdischen Bahnhöfen nicht möglich. Grund: Meterdicke Schichten aus Beton und Erdreich ließen keine Funkwellen durch.Glasfaserkabel und spezielle Sendeanlagen sollen in Zukunft die Funksignale der Handys aus den Schächten ans Tageslicht befördern. "Eine weltweit einzigartige Kooperation", rühmen BVG und E-Plus ihr Projekt, das heute der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Zwar herrschte gestern noch Funkstille über Einzelheiten. Wie aber aus Fachkreisen verlautete, wolle E-Plus etwa 20 Millionen Mark in die neue Technik stecken. Als erste U-Bahn-Linie solle die U 4 zwischen Innsbrucker- und Nollendorfplatz Handy-tauglich gemacht werden.Der hohe Konkurrenzdruck auf dem boomenden Mobiltelefonmarkt in Berlin zwingt die Netzbetreiber zu immer neuen Ideen. Derzeit teilen sich DeTeMobil, eine Tochtergesellschaft der Telekom (D 1- und C-Netz), Mannesmann (D 2) sowie Veba/Thyssen (E-Plus) das Geschäft mit den Taschentelefonen. Zwar halten die Netzbetreiber genaue Kundenzahlen für Berlin aus Konkurrenzgründen unter Verschluß. Aber: "Seit Mitte 1994 steigt die Zahl der Handy-Kunden konstant an", berichtet Torsten Buße vom Berliner "Verbund des Fachhandels Kommunikation". Auch der Verkauf der für den Betrieb erforderlichen Telefonkarten nimmt stetig zu.Nach vorsichtigen Schätzungen von Mobilfunk-Händlern telefonieren rund 250 000 Berliner mit einem Handy. Bundesweit besitzen 3,3 Millionen Menschen ein solches Gerät. Bis zum Jahr 2000 gibt es nach Meinung von Experten insgesamt zehn Millionen Mobilfunk-Kunden. Vier Anbieter gibt es: Mannesmann Mobilfunk, D 2: 1,1 Mio Kunden, monatlich kommen rund 30 000 Nutzer hinzu. Das Netz ist bundesweit zu 90 Prozent ausgebaut, Kunden sind in 22 Ländern erreichbar. Günstigster Tarif: monatliche Grundgebühr 49,90 Mark, die Gesprächsminute kostet werktags zwischen 8 und 18 Uhr 1,89 Mark, sonst 39 Pfennig. DeTeMobil, D 1: Eine Mio Kunden, national zu 70 Prozent ausgebautes Netz, sonst europaweit. Privat-Kunden-Tarif: monatliche Grundgebühr von 49 Mark, von 20 bis 7 Uhr kostet eine Gesprächsminute 39 Pfennig, ab 7 Uhr 1,99 Mark. Busineß-Tarif: Grundpreis 69 Mark, von 20 bis 7 Uhr 56 Pfennig pro Minute, ab 7 Uhr 69 Pfennig. DeTeMobil, C-Netz: 700 000 Kunden, flächendeckend national und international, ältestes Netz. Günstigster Tarif: 59 Mark Grundgebühr, von 7 bis 20 Uhr 59 Pfennig pro Minute, nach 20 Uhr 56 Pfennig. Veba/Thyssen, E-Plus: 600 000 Kunden, Netz bisher nur in Großstädten, regional begrenzt. Die Vernetzung entlang der Autobahn soll bis 1997 abgeschlossen sein. Dann können auch E-Plus-Nutzer bundesweit telefonieren. Tarife: Grundpreis 59 Mark, 7 bis 20 Uhr 1,19 mark, ab 20 Uhr 49 Pfennig.Der Verkauf von ausbaubaren Autotelefonen und sogenannten Koffergeräten gehe nach Beobachtungen des Fachhandels zurück. Die Nachfrage konzentriere sich auf kleine, handliche und vor allem preisgünstige Geräte, so Torsten Buße.Im Wettlauf um die Gunst der Mobilfunk-Kunden führen gegenwärtig auch D 2 und D 1 Gespräche mit der BVG und planen, künftig ebenfalls Leitungen in den U-Bahn-Schächten zu verlegen. +++