Bei einem Selbstmordanschlag auf das jemenitische Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Sanaa sollen Dutzende Menschen getötet worden sein, über 100 Menschen wurden verletzt. Unter den etwa 50 Todesopfern befinden sich auch zwei deutsche Entwicklungshelfer der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Donnerstagabend bestätigte. Der Krisenstab des Auswärtigen Amts befasst sich mit der Lage in Sanaa.

Zu Beginn der Attacke hätten sich am Haupteingang zwei Attentäter mit einer Autobombe in die Luft gesprengt. Andere Angreifer seien danach auf das Gelände bis zum Militärkrankenhaus vorgedrungen. Lokale Medien meldeten, die Angreifer hätten in einem Operationssaal zwei jemenitische Ärzte, ihren Patienten – einen bekannten Richter – sowie dessen Ehefrau erschossen. Auch drei Krankenschwestern seien getötet worden, die aus Indien, Venezuela und von den Philippinen stammten. Andere Quellen gaben an, zum Zeitpunkt des Angriffs habe eine ausländische Delegation das Krankenhaus besucht und sei Ziel des Attentats gewesen.

Abgleiten ins Chaos

Das Ministerium erklärte auf seiner Internetseite, die Lage sei wieder unter Kontrolle. Ein 90-jähriger Bruder von Jemens Staatschef Hadi, der in der Klinik behandelt wurde, soll die Attacke überlebt haben. Nach Angaben des Staatsfernsehens besuchte der Präsident mit seinen Sicherheitsberatern den Tatort. Hadi habe Ermittlungen angeordnet. Die Identität der Angreifer war am Abend noch unklar. Al-Kaida-Terroristen hatten mehrfach versucht, Verteidigungsminister Nasser Ahmed zu töten.

Der getötete Richter war von Präsident Hadi als Berater für den nationalen Dialog ausgewählt worden, der Oppositionelle und Angehörige des Regimes von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh versöhnen soll. Die Gespräche, die im März begannen, verlaufen stockend, mehrmals schon haben sich beteiligte Parteien zurückgezogen. Außerdem findet parallel dazu ein erbitterter Machtkampf in Regierung, Sicherheitskreisen und Militär um Einfluss und Posten statt. Und der Saleh-Clan versucht, die vereinbarten Reformschritte zu sabotieren.

Das trägt dazu bei, dass sich die Sicherheitslage im Land dramatisch verschlechtert. Jemen gleitet zunehmend ins Chaos ab. Selbst in der Hauptstadt patrouillieren Milizen, fast täglich finden Attentate statt, denen bereits Dutzende Sicherheitsdienst-Angehörige zum Opfer gefallen sind. Betroffen sind auch Ausländer: Anfang Oktober wurde ein Personenschützer der deutschen Botschaft in Sanaa vor einem Supermarkt erschossen.

Im Grenzgebiet zu Saudi-Arabien hat sich ein florierender Waffenumschlagplatz etabliert, Al-Kaida-Kämpfer tauchen im Jemen unter. Im Norden kämpfen schiitische Huthi-Rebellen für mehr Rechte. In Aden erstarkt eine Bewegung, die die Abspaltung des Südens – der früheren Volksdemokratischen Republik Jemen – fordert. Angriffe von US-Drohnen auf Ziele im Jemen mit zahlreichen zivilen Opfern bringen die Regierung in zusätzliche Schwierigkeiten.

Die Nachbarstaaten Saudi-Arabien und Oman fürchten, dass aus Jemen ein zweites Somalia wird. Riad hat deshalb der Regierung ein Milliarden-Dollar-Hilfspaket zur Verfügung gestellt. Eine Wirkung blieb bisher aus. (mit AFP, dpa)