Terrorgruppe besteht angeblich nur noch aus drei Leuten / Behörden nehmen keine Stellung: RAF-Bericht: Grüne fordern Konsequenzen

BERLIN, 29. Juli. Eine personelle Umverteilung im Bundesamt für Verfassungsschutz hat der Innen- und Geheimdienstexperte der Grünen, Manfred Such, gefordert. Such reagierte damit auf einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung", wonach die Kölner Behörde offenbar nur noch von drei verbliebenen RAF-Mitgliedern ausgeht. Es sei "höchste Zeit", daß jetzt verstärkt im rechtsextremistischen Lager gefahndet werde, sagte Such der "Berliner Zeitung". In einer als vertraulich eingestuften, 38 Seiten starken Analyse hat das BfV laut "SZ" jetzt eingeräumt, daß einige der meistgesuchten mutmaßlichen Mitglieder der Terrorgruppe gar nicht mehr zur RAF gehören. Angeblich konzentrieren sich die Ermittlungen der Verfassungsschützer nur noch auf die frühere Wiesbadenerin Daniela Klette, sowie Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg. "Hinsichtlich der mit Haftbefehl gesuchten mutmaßlichen RAF-Angehörigen Sabine-Elke Callsen, Andrea Klump, Barbara Meyer und Horst Ludwig Meyer", so das BfV, hätten sich dagegen "Zweifel an der tatsächlichen Zugehörigkeit zum Kreis der Illegalen ergeben". Zu dem Bericht wollten weder das Bundesamt noch das Innenministerium oder der Generalbundesanwalt am Mittwoch Stellung beziehen.Fehlerhaftes FahndungsplakatÜberraschend erscheint die Analyse insbesondere hinsichtlich des 42jährigen "Alt-Terroristen" Horst Ludwig Meyer. Meyer waren von der Bundesanwaltschaft die Morde am MTU-Chef Ernst Zimmermann im Jahre 1985 und dem Siemens-Manager Karl Heinz Bekkurts 1986 zur Last gelegt worden. Laut einem Bericht des Magazins "Stern" vom April diesen Jahres, gehörte Meyer bei den Fahndern zudem bis vor kurzem neben den auch jetzt wieder genannten Staub und Klette zur "Führungsspitze" der RAF. Auf dem derzeit aktuellsten Fahndungsplakat des Bundeskriminalamts aus dem Jahre 1993 befinden sich sowohl die Köpfe von Andrea Klump und Sabine Callsen als auch die der beiden Meyers. Während Barbara Meyer sich laut "Stern" für die Fahnder "ideologisch aus der RAF verabschiedet" und abgesetzt habe, werden Callsen und Klump in Südamerika vermutet. Großes Rätselraten herrscht dagegen nach Bekanntwerden des BfV-Berichtes über den gesuchten Burkhard Garweg. Selbst Kennern der Szene ist der Name völlig unbekannt. Von der Bundesanwaltschaft war lediglich zu erfahren, daß Garweg nicht per Haftbefehl gesucht werde. Welche Tat ihm außer seiner Mitgliedschaft zur RAF zur Last gelegt wird, ist nicht bekannt.In weiten Teilen befaßt sich die Analyse der Verfassungsschützer mit dem achtseitigen Schreiben der RAF vom April diesen Jahres, in dem diese sich nach 28 Jahren des bewaffneten Kampfes für aufgelöst erklärt hatte. Dieses allgemein als Kapitulationserklärung bezeichnete Schreiben wird von den Verfassungsschützern jetzt definitiv als authentisch bewertet.