Terrorismus, hat George W. Bush einmal gesagt, ist immer falsch und böse. Seit sich freilich Ende März ein älterer Herr mit nicht eben weißer Weste von Mexiko aus über die Grenze nach Texas schlich, dort einen Bus Richtung Florida bestieg und in Miamis kubanischer Exilgemeinde untertauchte, steht der kategorische Imperativ des amerikanischen Anti-Terror-Kampfes vor einer für die Bush-Regierung unbehaglichen Bewährungsprobe. Am Dienstag erinnerten in Havanna nach kubanischen Angaben eine Million Menschen den US-Präsidenten an sein Wort. "Bush, Faschist, fang den Terrorist", skandierten sie vor der US-Vertretung. Gemeint war der mutmaßliche Terrorist Luis Posada Carriles.Nur wenige Stunden später wurde der militante Exilkubaner von Agenten des US-Heimatschutzministeriums in einem Vorort von Miami verhaftet. Mit dem Auftauchen des 77-Jährigen in den USA ruft sich ein dunkles Kapitel amerikanischer Terrorverstrickungen in Erinnerung. Carriles war 1961 bei der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht dabei, mit der Fidel Castro gestürzt werden sollte. Später wurde er von der CIA im Umgang mit Sprengstoffen unterwiesen. Kuba und Venezuela werfen Carriles vor, von diesen Kenntnissen regen Gebrauch gemacht zu haben. So soll er 1976 einen Bombenanschlag auf ein kubanisches Passagierflugzeug organisiert haben, bei dem über den Bahamas 73 Menschen starben. Vor fünf Jahren wurde Carriles in Panama wegen Planung eines Attentats auf Fidel Castro verhaftet und verurteilt. Nach einer Begnadigung kam er im vorigen Jahr frei und tauchte in Honduras unter.Während Carriles eine Verwicklung in das Flugzeugattentat bestreitet, räumte er 1998 in einem Interview mit der New York Times eine Beteiligung an Bombenanschlägen auf Touristenhotels in Havanna offen ein. Dabei starb 1997 ein italienischer Tourist. Vorige Woche erzählte Carriles einem Reporter des Miami Herald jovial Einzelheiten. Das dürfte Carriles inzwischen bedauern. Denn während Havanna seit Anfang April seine Auslieferung forderte, hatte die US-Regierung zunächst erklärt, man wisse nicht, ob er sich überhaupt in den USA aufhalte. Das Interview ließ daran keinen Zweifel mehr. Und dann stellte Carriles schließlich Asylantrag.Kuba wirft den USA Heuchelei und Doppelmoral vor. Nachdem Carriles am Dienstag erklärt hatte, wegen der Verwicklungen wolle er die USA wieder verlassen, wurde er verhaftet. Das Dilemma für Bush bleibt: Schon aus Rücksicht auf Floridas einflussreiche Exilkubaner gilt eine Auslieferung an Havanna oder das im Namen Kubas handelnde Venezuela als nicht opportun. Einfach laufen lassen aber kann man den mutmaßlichen Terroristen auch nicht.------------------------------Foto: Luis Posada Carriles, mutmaßlicher Bombenleger