Teure Rückrufaktion nach Beschwerde in Brasilien: Neuer Ärger für Schering wegen Anti-Baby-Pille

BERLIN, 15. September. Der Berliner Pharma-Konzern Schering macht in Brasilien erneut negative Schlagzeilen. Nach dem Skandal um Placebo-Pillen, die durch einen Diebstahl fälschlicherweise in den Handel gerieten, ordnete der brasilianische Gesundheitsminister José Serra am Montag die Beschlagnahmung von 173 000 Schachteln der Antibaby-Pille Microvlar an. Der Grund: "Eine Kundin hatte sich bei der Behörde beschwert, weil sich in einem Streifen nur 20 statt 21 Pillen befanden", sagte Schering-Sprecher Ralf Harenberg am Dienstag der "Berliner Zeitung".Rund 50 000 Mark SchadenLaut Harenberg handele es sich dabei um einen Fehler in der Endkontrolle: "Eine Mitarbeiterin hat das übersehen." Schering habe sofort nach Bekanntwerden die "gesamte Charge zurückgerufen". Der Schaden "dürfte nicht über 50 000 Mark liegen". Für das brasilianische Gesundheitsministeriums hingegen ist die Panne erneut ein Beweis dafür, "daß die Mängel im Kontrollsystem anhalten", sagte Brasiliens Gesundheitsminister. Die Anti-Baby-Pille Microvlar war bereits im Juni vorübergehend verboten. Zuvor waren 50 000 gefälschte und wirkungslose Pillen nach einem Testlauf auf einer neuen Verpackungsmaschine offensichtlich gestohlen und danach in Umlauf gebracht worden. Nachdem sich mehrer Frauen meldeten, durch die Einnahme der wirkungslosen Pillen schwanger geworden zu sein, wurde die Antibaby-Pillen-Produktion der Scheringtochter do Brasil vorübergehend gestoppt und ein Bußgeld von 4,7 Millionen Mark verhängt. Zudem erstattete die Staatsanwaltschaft in Sao Paulo Strafanzeige gegen den Direktor, Rainer Bitzer, und den Industrie-Leiter Valter Frederico Schenck. Beide werden der Unterlassung und Fahrlässigkeit bezichtigt. "Aus unserer Sicht ist die Strafanzeige haltlos", sagte Harenberg. Auch der neue Skandal sei vermeidbar gewesen. Jede Apotheke in Brasilien hätte die Packung mit der fehlenden Pille problemlos umgetauscht. (pk.)