Ein einziger Satz in der englischsprachigen Tageszeitung Bangkok Post von Anfang Dezember erlaubte einen kurzen Blick hinter die Kulissen in Thailand. „Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn wird die Behandlungskosten von Verletzten im Ramathibodi-Krankenhaus übernehmen, weil sie angesichts der Verletzungen betroffen ist, die einige Leute erlitten haben“, hieß es dort.

Diese humanitäre Geste der 58-jährigen Sirindhorn, die das dritte Kind des amtierenden Königspaares ist, birgt Zündstoff. Denn die Sorge der Prinzessin, die im Gegensatz zu ihrem Bruder Kronprinz Maha Vajiralongkorn große Popularität in Thailand genießt, galt ausschließlich den Regierungsgegnern. Viele Protestierer sind bei Zusammenstößen mit Regierungsanhängern verletzt worden.

Sirindhorn hat also Partei ergriffen. Die Prinzessin, die in der Öffentlichkeit als Fördererin der Wissenschaften bekannt ist und enge Beziehungen zu Deutschland unterhält, stellt sich auf die Seite des selbsternannten Volkstribuns Suthep Taugsuban, der die Demokratie durch ein ungewähltes Volkskomitee ersetzen will, nicht auf die von Premierministerin Yingluck Shinawatra.

Die politischen Aktivitäten Sirindhorns machen deutlich, dass es bei dem gegenwärtigen Machtkampf um sehr viel mehr als einen Konflikt zwischen der gewählten Regierung und anti-demokratischen Kräften geht. Vielmehr tobt auf den Straßen von Bangkok der sichtbare Teil einer sprichwörtlichen Bataille Royal – einer royalen Schlacht. Es geht um die Monarchie, die Nachfolge des Königs, die Verfassung, die Zukunft Thailands.

Ihr Gegenspieler ist ihr eigener Bruder. Der Thronfolger einigte sich bei einem Treffen in München längst mit Thaksin Shinawatra, dem im Exil lebenden Bruder der Premierministerin und einstigen Regierungschef, auf eine Kooperation für die Zeit nach dem Tod von König Bhumibol. In den Augen der königlichen Regierungsgegner drängt also die Zeit. Wirkt der 86-jährige Monarch doch zunehmend fragiler.

Der Konflikt im thailändischen Königshaus stellt nun zwar die Thronfolge nicht infrage. Aber viele Thailänder sind dennoch erstaunt, dass die beliebte und bedächtige Prinzessin auf der Seite der Ewiggestrigen zu finden ist. Dabei tritt sie lediglich in die Fußstapfen ihrer Mutter, Königin Sirikit. Auch diese macht keinen Hehl aus ihrer tiefen Abneigung gegen die aktuelle Regierung.