Bangkok - Für Vertreter der im Mai gestürzten Regierung Thailands gibt es zurzeit selten Gelegenheit, ohne Furcht öffentlich reden zu können. Der Nationalfeiertag Singapurs am 9. August bot eine solche Möglichkeit. Die Botschafterin des Stadtstaates in Thailand, Chua Siew San, hatte zu dem Anlass kürzlich in ein Fünf-Sterne-Hotel am Ufer des malerischen Flusses Chao Praya in Bangkok geladen. Neben Angehörige der seit 22. Mai dieses Jahres herrschenden Militärjunta empfing sie im repräsentativen Ballsaal des Hauses auch Gesandte der letzten demokratisch gewählten und von den Generälen abgesetzten Regierung Thailands. Erwartungsgemäß entfaltete sich auf der Veranstaltung eine angespannte Stimmung.

„Die Zeit spielt für uns“, sagte Thida Tavornseth. Die thailändische Mikrobiologin und ehemalige Chefin der als Rothemden bekannten „Union gegen Diktatur und für Demokratie“ (UDD) erschien bei dem Empfang demonstrativ in einem dunkelroten Kleid und ließ sich stolz mit Singapurs Botschafterin fotografieren. Auch für die seit dem Militärputsch 2006 bestehenden Bewegung für Demokratie in der konstitutionellen Monarchie des Königreichs Thailand gehören solch diplomatische Empfänge zu den wenigen Gelegenheiten, auftreten zu können, ohne danach von den Generälen vorgeladen zu werden.

Streit innerhalb der Armee

Vorläufig ist jedoch unklar, ob sich Thailands zurzeit starker Mann, General Prayuth Chan-ocha, lange halten wird. Hinter den Kulissen der Junta knirscht es gewaltig, weil Prayuth, wie ein Mann aus seinem Bekanntenkreis sagt, „allen misstraut, die nicht unmittelbar zu seiner Mannschaft zählen“. Eine Folge davon könnte sein, dass der General als einziger Kandidat für die kommende Besetzung des Postens des Premierministers antreten wird. Das verlautete am Mittwoch aus Kreisen der Militärführung.

Die von der Junta eingesetzte Nationalversammlung wählt am Donnerstag einen Übergangsregierungschef. „Es war schwierig, einen anderen Kandidaten als General Prayut zu finden“, sagte ein Vertreter der Streitkräfte. Die Versammlung wird zu 70 Prozent aus aktiven und pensionierten Armee- und Polizeigenerälen bestehen. Sowohl die gestürzte Regierungspartei Phuea Thai wie auch die oppositionelle Demokratische Partei verweigern angesichts der Militärvormacht die Zusammenarbeit.

Für den Ausbau seiner Macht riskiert Prayuth sogar den Zorn der Monarchie. Einflussreiche Berater des 88-jährigen Königs Bhumibol von der angesehen Chulalongkorn Universität hatten gegen einen Offizier auf dem Stuhl des Premierministers plädiert. „Sie befürworten, dem Regime möglichst schnell einen zivilen Anstrich zu verleihen“, sagt ein gut informierter Thailänder.

Dabei schienen Generäle und die Monarchie bisher im Gleichschritt zu marschieren. Im Mai war den aktuellen Informationen zufolge bei einem Treffen im Königspalast im Badeort Hua Hin am Golf von Thailand im Beisein von König Bhumibol eine Arbeitsteilung beschlossen worden. Die Absprache besagt, dass der 61-jährige Kronprinz Maha Vajiralongkorn die repräsentativen Pflichten des Vaters übernimmt. Seine Schwester, Kronprinzessin Siridhorn (59), kümmert sich im Hintergrund um politische Aspekte und General Prayuth Chan-ocha führt die Regierungsgeschäfte. Noch in dieser Woche soll die Nationalversammlung mit den Vorbereitungen für eine neue Verfassung beginnen. Aber schon die Kabinettsbildung gestaltet sich für Prayuth bislang schwerer als vermutet. Auf der Suche nach einem Außenminister erhielt er von allen in Frage kommenden Kandidaten einen Korb.