Kurz vor seinem 75. Geburtstag, am 30. Juni 2013, starb in Berlin der Regisseur Klaus Fiedler. Er war gelernter kartografischer Zeichner und glücklicherweise ein schlechter, denn wenn die Karten ungenau sind, braucht man Fantasie, geht Umwege und lernt Menschen kennen. Dies hat Klaus Fiedler zur Genüge getan. Er studierte an der Theaterhochschule in Leipzig und arbeitete unter anderem an den Theatern Freiberg, Altenburg, Leipzig, Schwerin, Frankfurt (Oder), Bautzen, Dresden, Annaberg-Buchholz und in Berlin. Insbesondere am Theater Rudolstadt hatte er in den 70er-Jahren mit seinen fantasievollen und klug-subversiven Inszenierungen und seiner subtilen Schauspielerführung starke Resonanz beim Publikum. Nach dem „Epochenbruch“ hatte er eine schwere Operation, und die Solidarität vieler Künstler und Freunde half ihm; er war ein Stehaufmännchen, und seine Träume und Sehnsüchte trieben ihn an, wieder mit Vergnügen, Humor und Charme politisches Theater zu machen. Er leitete internationale Theaterworkshops mit afrikanischen, arabischen und indischen Theatermachern, inszenierte in der freien Szene, war Dozent an der Berliner Schauspielschule und veranstaltete Begegnungsabende in seiner Berliner Wohnung. So hielt er sein großes Interesse wach für künstlerische und politische Prozesse, geduldig und nachhaltig mischte er sich ein. Seine Visionen bleiben, es sind lebendige Bilder, die geräumig sind – eine Utopie von einer besseren Welt. Wer sagt, dass er tot ist? Es ist ein Irrtum, dass die Toten tot sind. (Christine Boyde)