Auf einem 15 Schreibmaschinenseiten langen Papier an das Hamburger Amtsgericht hat die Therapeutin des "Heidemörders" Thomas Holst, die Israelin Tamar Segal, gestanden, ihrem Patienten im September vergangenen Jahres zur Flucht verholfen zu haben.Tamar Segal hat dem Patienten den Zugang zu der Turnhalle in der geschlossenen Psychiatrie des Krankenhauses Ochsenzoll verschafft, ihm ein Nylontau zum Abseilen vom Dach besorgt und vor der Anstalt mit einem Fahrrad auf ihn gewartet. Die Staatsanwaltschaft in Hamburg bestätigte gestern den Eingang der "schriftlichen Einlassung" der 39jährigen Frau. Das offenbar gemeinsam mit ihrem Anwalt Yitzhak Goldfine aufgesetzte Schreiben wird bereits seit Sonnabend in Auszügen in der "Bild"- Zeitung veröffentlicht.Das "Geständnis" sei schon am Freitag abend beim Gericht abgeliefert worden, dort aber über das Wochenende liegengeblieben, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Rüdiger Bagger. Bei den offiziellen Verhören hatte die Therapeutin bislang hartnäckig die Fluchthilfe für Holst abgestritten.Ihr Verteidiger übrigens hat auch den "Kremlflieger" Mathias Rust verteidigt und für die Medien vermarktet. Gegenwärtig gehört Goldfine zu den Anwälten des in den USA inhaftierten "Baulöwen" Jürgen Schneider. Frau Segal wiederum hatte vor allem in Israel für Schlagzeilen gesorgt, weil sie sich öffentlich darüber beschwert hatte, in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg 24 Stunden lang nackt und nur mit zwei Wolldecken in einer Zelle untergebracht worden zu sein. Dies sei eine unumgängliche Sicherheitsmaßnahme gewesen, wehrte sich die Anstalt, weil die Frau nach ihrer Festnahme Ende Dezember als extrem selbstmordgefährdet eingestuft worden sei. Mit Kleidung hätte sie sich erdrosseln können.Das freiwillige "Geständnis" habe offenbar den Zweck, den Amtsrichter zu beeinflussen, der am Donnerstag dieser Woche darüber entscheiden soll, ob Frau Segal weiterhin in Haft bleiben muß, meint man bei der Staatsanwaltschaft. Nach Ansicht der Ermittler wird in dem Papier vieles beschönigt und unterschlagen. Unter anderem behauptet Tamar Segal, es sei nie geplant gewesen, mit Holst nach Israel zu flüchten, wie die Polizei glaubt. Sie habe den dreifachen Frauenmörder lediglich von einem Experten untersuchen lassen wollen, ob er nicht vielleicht an einer Krankheit leidet, bei der sich "verschiedene Persönlichkeiten in einem Körper tummeln", ähnlich wie bei der Schizophrenie. Die Therapeutin behauptet, Holst in den drei Monaten seines Aufenthalts in einer Hamburger Wohnung - er hatte sich nach der Festnahme seiner Helferin am 29. Dezember freiwillig gestellt - allein versorgt zu haben. Im Gegensatz zu ihren bisherigen Angaben hat Frau Segal ihren hochgefährlichen Schützling auch mehrfach in dem von ihr angemieteten Appartement besucht: "Wir waren jeweils den ganzen Tag zusammen." Von einer Liebesbeziehung ist in dem "Geständnis" allerdings nicht die Rede. +++

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