Sie bezeichnen Jäger als "Lusttöter" und die Jagd nennen sie "blutigen Krieg". 100 Tierschützer sind am Sonnabend vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor gezogen, um gegen die Jagd zu demonstrieren.Der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Thomas Gandow, hatte vor dieser Demo gewarnt, zu der die "Initiative zur Abschaffung der Jagd" aufgerufen hatte. Denn Gandow zufolge steht die Anti-Jagd-Kampagne unter dem Einfluss einer spiritistischen Sekte namens Universelles Leben (UL). "Wer an dieser Demonstration teilnimmt, lässt sich vor den Karren dieser problematischen Sekte spannen", sagt Gandow. Für ihn ist die Tierschützer-Initiative eine "Frontorganisation" von Universelles Leben. UL wiederum sei eine Organisation mit "totalitären Zügen".In einer Sekten-Broschüre der Senatsjugendverwaltung heißt es über UL: "Der Anspruch, im Besitz der Wahrheit zu sein, ist absolut und wird auch durch eine markante Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und Kritikern sichtbar. " Zentrum des UL ist Würzburg. Experten schätzen die Anhängerschaft im deutschsprachigen Raum auf etwa 40 000. Führerin ist Gabriele Wittek, selbst ernannte Prophetin und Sprachrohr von Jesus Christus.In Berlin hat die Initiative zur Abschaffung der Jagd ihre Aktivität verstärkt. Seit 2001 gibt es an jedem ersten Sonnabend im Monat eine "Anti-Jagd-Demo". Anmelder der Märsche ist der Biologe Kurt Eicher. Nach seiner Auffassung engagieren sich die großen Natur- und Tierschutzverbände nicht genügend gegen die Jagd. Ziel seiner Initiative sei es deshalb, "ein Netzwerk von Organisationen und Einzelpersonen zu schaffen und Kräfte zu bündeln". Dazu sagt Carmen Schultze, Sprecherin des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Berlin: "Die Vorgehensweise von Eichers Initiative halten wir für unseriös. Deren kritiklose Haltung gegenüber dem UL ist inakzeptabel. " Dass Anhänger des UL die Initiative unterstützen, hält Eicher für ungefährlich: "Die Bewegung ist sehr glaubwürdig. " Warnungen der Kirche weist er zurück: "Für Tierschutz hatten Kirchen nie etwas übrig. " Laut Eicher verkündeten sie "üble Verschwörungstheorien". Presse und Politik sieht er durch die Kirchen instrumentalisiert.Zwischen der Initiative zur Abschaffung der Jagd und des Universellen Lebens bestehen weitere Verbindungen: Auf Veranstaltungen der Initiative werden Publikationen des UL nahe stehenden Verlages Brennglas verteilt. Das Symposium "Natur ohne Jagd", das im Sommer an der TU stattfand, wurde gemeinsam von Vertretern der Initiative und des Verlages Brennglas koordiniert. Die für das Symposium verantwortliche Redakteurin des Verlages ist gleichzeitig Lehrerin an einer privaten Grundschule des UL. Wie aus einer E-Mail der Initiative hervorgeht, übernahm der UL-Pressesprecher und Anwalt Christian Sailer beratende Funktionen bei der Programmplanung des Symposiums. Sailer wollte sich dazu nicht äußern. In einer Presseerklärung schreibt er, dass "weltanschauliche Fanatiker" die Treffen von Tierschützern madig machen wollen.Dass die Initiative eine Unterorganisation des UL sei, bestreitet Eicher. Die Gruppen verbinde lediglich die gleiche Programmatik: "Wir fordern eine vegetarische Lebensweise und absolutes Jagdverbot. " Mehrere Tierschutzaktivisten unterstützen Eicher. Mit ihrem gemeinsamen Auftritt wollen sie ihre Lobby stärken. So sieht sich die Tierschutzpartei als "politisches Pendant" zur Anti-Jagd-Initiative. Und der Politische Arbeitskreis für Tierrechte in Europa hält die Vorwürfe gegen Eicher und das UL für "Unsinn und üble Polemik".Karin Hutter, Rednerin auf dem Symposium und Autorin des Buches "Ein Reh hat Augen wie ein 16-jähriges Mädchen", sagt: "Religiöse und sexuelle Orientierungen der Initiative sind mir egal, solange sie mich nicht missioniert. "Bauernhöfe mit Missionsauftrag // "Christusbetriebe" wie Kinderhorte, eine Schule, eine Klinik, Bauernhöfe sowie Einkaufszentren gehören dem Umfeld des Universellen Lebens (UL) an. Neben ihrem wirtschaftlichen Zweck dienen die Betriebe der Verbreitung von religiösen Inhalten.Schlüsselfigur des UL ist Gabriele Wittek. Sie sagt, sie verkünde Gottes Wort. Um den menschlichen Geist auf Gott auszurichten, bedürfe es einer "Umprogrammierung", der "Reinigung der Gehirnzellen von Prägungen der Welt".2001 prophezeite Gabriele Wittek eine globale Apokalypse, falls die Mitmenschen ihre "Worte abermals dem Wind übergeben". Bei Missachtung ihrer Worte würden Schicksalssturm, Seuchen und andere weltweite Katastrophen folgen.