Unser Charly, armer Charly? Durchschnittlich fünf Millionen Zuschauer saßen samstagabends zu Hause und sahen zu, wie der Schimpanse Charly in der nach ihm benannten ZDF-Serie sein Unwesen in der Familie trieb, bei der er wohnte. Lustig war das. Ein Affe, der stets für Spaß und Schabernack sorgte. Einmal spielte auch Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen in der Serie mit: Charly war ins Rote Rathaus gelangt. Diepgen fand ihn in seinem Büro, Charly saß Akten lesend am Schreibtisch.Ganz und gar unlustig scheint es aber bei den Dreharbeiten für die Serie zugegangen zu sein: Die "Hörzu" hatte berichtet, dass die drei Schimpansen, die sich die Charly-Rolle teilen, bei den Dreharbeiten in Wannsee von dem Tiertrainer misshandelt worden seien. Er habe ihnen mehrfach Kopfnüsse und Schläge gegeben, berichten Zeugen; auf dem Video eines Zeugen ist zu sehen, wie ein Tier getreten wird.Der Deutsche Tierschutzbund hat nun einen offenen Brief an den ZDF-Intendanten Markus Schächter geschrieben und fordert die Absetzung der Serie. Die Rechtsabteilung sammelt Beweise, der Verband wird Anzeige erstatten. Die Vizepräsidentin des Tierschutzbundes, Brigitte Rusche, sagte: "Es gibt Zeugen, die die Misshandlung miterlebt haben." Generell sei es problematisch, mit Tieren zu drehen: "Sie werden ihrem Umfeld entwöhnt und bleiben ihr Leben lang Schauspieler." Mit so einem Tier können nie mehr Artgenossen zusammenleben. Das ZDF hat das Arbeitsverhältnis mit dem Tiertrainer inzwischen aufgelöst. In Zukunft soll bei den Dreharbeiten ein Tierarzt anwesend sein. Die Redaktion sieht keinen Grund, die Serie abzusetzen. Die Beteiligten der Serie hätten während der Dreharbeiten nie eine unangemessene Behandlung der Tiere beobachtet. (fez.)ZDF "Unser Charly": Fünf Millionen Zuschauer freuten sich über den Schimpansen. Hätten sie ihn bedauern müssen?