In immer größerer Farb- und Dekorauswahl werden selbstklebende Möbelfolien angeboten. Wofür eignen sie sich, wofür nicht, und was sollte man bei der Verarbeitung beachten?Die gute alte Haustür oder gar Großmutters Biedermeierschränkchen mit Folie zu bekleben, wäre Frevel. Nicht nur des Aussehens und Stilempfindens wegen, sondern auch, weil das Holz darunter nicht mehr atmen kann. Das hat Blasen und Risse zur Folge. Leicht kann sich die Folie später wieder lösen.Sehr geeignet sind die Folien aber für Spanplatten oder mit Hartfaserplatten verkleidete Zimmertüren. Auch auf folienbeschichtete oder angestrichene Küchenmöbel lassen sie sich in Uni, Holzdekor oder Marmorimitat kleben. Es gibt spezielles kratzfestes und etwas teureres Material für diese Zwecke. Überhaupt ist das Angebot breit, je teurer, umso strapazierfähiger und leichter zu verwenden. Eine zweite Haut An Möbel und Türen sollte man sich nur wagen, wenn der Untergrund ganz glatt ist. Jede winzige Unebenheit wird nach dem Bekleben sichtbar, da die Folie wie eine zweite Haut eng auf dem Untergrund haftet. Natürlich müssen die Flächen auch trocken und staub- sowie fettfrei sein. Allerdings bekamen wir in einem Spezialgeschäft am Alex den Tip, glatte, wenig saugfähige Untergründe anzufeuchten, damit sich die Folie bis zum endgültigen Anhaften noch etwas hin- und herschieben läßt. Ansonsten bestände die Gefahr, daß bei nochmaligem Abziehen einer schief gesetzten Bahn die Klebkraft nachlasse.Das mit dem feuchten Untergrund haben wir aber bisher nicht ausprobiert, zumal sich gerade auf glatten Flächen die Folie auch sonst leicht abziehen läßt (vorsichtig, nicht überdehnen!), ohne daß die Klebschicht beeinträchtigt wird. Auf dem Rückseitenpapier von Alkor-Folie steht extra der Hinweis, daß Korrekturen während der Verarbeitung erlaubt sind, weil die volle Klebkraft erst nach einigen Stunden eintritt.Auch andere Hersteller geben Verarbeitungshinweise. So, daß rauhe Holzflächen vor dem Bekleben glattzuschleifen sind, daß bei größeren Flächen das Schutzpapier zunächst nur um ein kleines Stück zum Ausrichten und Anheften der Bahn abgezogen werden soll. Besonders hilfreich für den Zuschnitt ist eine rechenpapierähnliche Zentimetereinteilung auf der Rückseite. Manche schwören darauf, wie beim Tapezieren einige Zentimeter mehr zuzugeben und nachher Überstehendes mit einem scharfen Messer oder einer Rasierklinge abzuschneiden. Diese Übung beherrscht nicht jeder. Ich bringe da zum Beispiel keinen ganz geraden Rand zustande.Wir haben bei mehreren praktischen Übungen exakt die gewünschten Maße zugeschnitten. In keinem Fall war die Folie nach dem Anstreichen - von innen nach außen mit einem weichen Tuch oder Schwamm - kürzer geworden, eher einen Hauch länger. Sollten sich Blasen hartnäckig dem Glattstreichen zum Rand hin widersetzen, kann man sie mit einer Nadel anpieken. Dann entweicht bei Druck darauf die Luft. Die einfachste Übung ist das Bekleben von glatten Neubau-Zimmertüren. Dabei empfiehlt sich, die Breite so zu wählen, daß rechts und links um die Kante herum geklebt werden kann. Bei den Türen und Schubfächern der Küchenmöbel müßten auch die sichtbaren Ober- und Unterkanten einbezogen werden. Nicht zu kurz umkleben, sonst löst sich die Folie an den Rändern! An den Ecken und Kanten zeigt sich erst der wahre Zuschneide- und Klebe-Meister. Kiefer in VariationenÜbrigens sollte man sich fürs eventuelle Nachkaufen von Material genau Firma und Bezeichnung notieren. Denn Kieferfolie ist nicht etwa gleich Kieferfolie. Da kann es bei der gleichen Firma Unterschiede geben, nämlich "Kiefer" und "Kiefer hell", und zwischen beidem liegen Welten. Ohnehin gehört gerade die Kiefer bei den meisten Herstellern zu den am wenigsten gelungenen Holzimitationen. Da sehen Ahorn oder gekalkte Esche sehr viel weniger künstlich aus. Und man kann ja auch einfach eine farbige Folie in modischem Türkis, leicht gesprenkelt, für die neue Küche wählen. Die Auswahl an Dekoren und Farben ist groß. Pflegeleicht und abwischfest sind alle. +++

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