Hundert Jahre Film -- 90 davon hat Lucie Hürtgen-Skiadanowsky live miterlebt. 1u ihrem Vaterhaus in Nlederschönhausen feiert sie heute ihren Ehrentag -- die ietzte Zeitzeugin einer Familie, die Flimgeschichte geschrieben hat."Papa hat sich das ales selbst ausgedacht und angefertigt", sagt die alte Dame und nimmt vorsichtig ihre kostbaren Erinnerungsstücke aus einem Karton. Die "Nebelt,ilder" Ihres Vaters hat sie besonders geliebt. Der abgegriffene Holzrahmen mit der kleinen Kurbel, in dessen Mitte die runde Glasplatte angebracht ist, stammt von 1880. Eine einfache Mechanik, mit der auf weißem Hintergrund auf zwei Meter vergrößert eine andere Dimension sichtbar wurde. Erste kleine Schritte auf dem Weg in die große Illuslon. 24 Nebel bilder hat Frau Hürtgen-Skladanowsky dem Film-Museum übergeben, "Papa hat Ja soviel gemacht, man wird ihn nie vergessen ..."Im bewegten Leben der bewegten Bilder des berühmten Vaters Max Skladanowsky hatte die Familie mehr die Statistenrolle. Lucie wurde am 6. Juli 1904 in Prenzlauer Berg geboren. 1907 kaufte der nun bereits prominente Erfinder der laufenden Bilder ein geräumiges Haus in Pankow-Niederschönhausen. Genug Platz war dort für die vier Kinder, und es gab ausreichend Räume zum Experinientieren.Hier in der stillen Seitenstraße unter hohen Bäumen Ist Lucie aufgewachsen, hat das in der Nähe gelegene Elisabeth-Christinen-Lyzeum besucht, sich später dann Im Reklameund Modezeichnen geübt und jahrelang die kranke Mutter gepflegt. Immer wieder hat sie Papa über die Schulter geschaut.,, Ich habe viel mehr erlebt und gesehen als andere Leute und ich bin auch viel herumgekommen. Ich habe meinen Vater auf Vortragsreisen begleitet." Lucie Hürtgen-Skladanowsky kramt in Idben und Schubkartons, auf vergilbten Fotos und verknitterten Dokumenten ist alles festgehalten. "Ach, damals habe ich sogar mit Hans Albers getanzt", ihre Augen, die noch heute keine Brille brauchen, leuchten auf.,, Ich kannte sie alle, die Stars." Hat es sie nie selbst zum Film gezogen?,, Dafür war ich nicht geeignet, Ich kann mich nicht von jedem anfassen lassen", bricht sie abrupt das Thema ab. Mutter und Schwester dagegen hatten "Hauptrollen" in Papas Blätterbüchern, die blitzschnell umgeschnippt wurden und um die Jahrhundertwende das sogenannte "Daumenkino" des kleinen Mannes waren. Von diesen filmischen Wunderwerken läßt sich Lucie Hürtgen-Skladanowskv sowieso nicht beeindrucken. "Die große Freiheit Nummer 7", "Der Kongreß tanzt", das waren noch Filme nach ihrem Geschmack. "Das Fernsehen hat alles kaputtgemacht", meint sie. "Die Leute sind zu bequem geworden, um aus dem Haus zu gehen." Trotzdem sieht sie sich gern die Sportsendungen an, besonders Tennis, "weil ich das Jahrelang selbst gespielt habeIn der guten Stube, in der ein Sammelsurium von Möbeln und Erinnerungssrücken der Familie den Krieg und manche Schicksalswirren überstanden hat, mahnt ein schwerer Gong die Zeit an. Die alte Frau blickt dankbar auf ihr Leben zurück: "Ich möchte es noch erleben, wenn , 100 Jahre Film, gefeiert wird, wegen Papa Und sie möchte auch bei ihrem eigenen runden Jubiläum dabeisein. Was sind denn schon zehn Jahre? Eine Aufnahme aus dem Jahr 1939: Lucie Skladanowsky (2. v. rechts) im Kreis ihrer Familie: Von links Vater Max Skiadanowsky, Schwester Margot und Bruder Erich.