BERLIN. Am Sonntag wollen sie feiern. Die Meisterschaft in der Oberliga, für die es die offizielle Ehrung durch den Nordostdeutschen Fußball-Verband gibt. Der 1. FC Union Berlin ist zumindest wieder drittklassig. Der letzte Auftritt der Saison gegen die TSG Neustrelitz um 14 Uhr soll ein Fest werden. Nach dem Spiel wird sich auch die Mannschaft auf einer Bühne feiern lassen. Nur einer wird fehlen. Tom Persich, seit zwölf Jahren im Klub, dienstältester und mithin beliebtester Profi in Köpenick, räumte am Mittwoch wütend seinen Spind aus. "Das war es für mich. Ich habe keine Lust, mir von diesen Leuten einen Blumenstrauß in die Hand drücken zu lassen", sagt der Abwehrspieler. Nach 323 Spielen für Union gehe er "nicht im Guten. Es ist traurig, wie ich behandelt werde", klagt er über die Vereinsführung.Der Aufstieg und die Schattenseiten für Einzelne. "Dass manche gehen müssen, weil es sportlich nicht mehr reicht, ist Jahr für Jahr ein ganz normaler Vorgang", sagt Sportdirektor Jörg Heinrich. Doch Persich glaubt, dass Journalisten vor ihm über die Trennung informiert worden seien, was Heinrich bestreitet. Persich bat Fanbetreuer Sven Schlensog, dem Publikum "Dank für viele schöne Jahre auszurichten", er selbst wolle am Sonntag daheim bleiben. Seit langem hatte es in Persich rumort, weil keiner mit ihm über seine Zukunft sprach. Kein Einzelfall. Seit seinem Dienstantritt Anfang April hat der mit seiner bisweilen schroffen Art polarisierende Trainer Christian Schreier eine Handvoll Profis spüren lassen, dass er nicht mehr auf sie setzt. Schreier hat ein Faible für junge Akteure, weshalb kurzzeitig sogar über die Zukunft des 36-jährigen Daniel Teixeira diskutiert wurde. 29 Saisontore sprachen letztlich aber für ihn.Drei Spieler müssen nun gehen: Persich (34), dessen Kontrakt endete, außerdem Jörg Schwanke (37) und Tobias Kurbjuweit (23), zwei Akteure, die noch gültige Kontrakte besitzen. Beide wurden freigestellt, Kurbjuweit nimmt vorerst weiter am Training teil. Man werde über einen Auflösungsvertrag sprechen, deutete Heinrich an. Setzen sich beide Spieler auf die Tribüne, hat Union ein Problem. Gut möglich, dass eine Abfindung fließt. Im Fall Schwanke könnte die Vereinbarung, wonach er 2007 in den Trainerstab wechseln sollte, bereits jetzt greifen.Heinrich, der am Sonntag mit einem Kurzauftritt seine Karriere beenden wird, war bemüht, die Wogen zu glätten. Er wünsche sich, dass Persich trotz eingereichten Krankenscheins zum letzten Heimspiel erscheine: "Es geht nicht um Namen oder Abneigungen. Die Spieler passen nicht mehr ins sportliche Konzept", sagt Heinrich. "Im Großen und Ganzen ist es das mit den Trennungen, es gibt höchstens noch Einzelfälle." Benjamin Koch gilt als Kandidat und Jack Grubert, der ohne Erlaubnis in Babelsberg ein Probetraining absolvierte.Goldesel im KellerErstaunlich ist indes, dass erst ein neuer Spieler verpflichtet wurde: Markus Zschiesche vom MSV Neuruppin. Mancher fürchtet um die Konkurrenzfähigkeit des Teams in der Regionalliga. In Spielberaterkreisen wird über Unions Sparkurs geklagt. Heinrich bestreitet das nicht: "Wir sind in Gesprächen, aber es ist schon manches am Finanziellen gescheitert. Jeder denkt, bei Union sitzt ein Goldesel im Keller."Weshalb mancher Fan sich wünschte, Union hätte Persichs Angebot, als Stand-by-Profi für wenig Geld zu bleiben, angenommen. Im Internet wird zu Solidaritätsaktionen aufgerufen. Doch für Persich, Spitzname "Keiler", ist "die Sache erledigt". Er will anderswo noch zwei Jahre spielen. In der Oberliga soll es Interesse geben, "auch von Spitzenvereinen", sagt Persich.------------------------------Foto: Dieses Trikot wird er nie mehr tragen: Tom Persich, bei Union ausgemustert.