BERLIN. Toni Stadler, der enttarnte V-Mann des brandenburgischen Verfassungsschutzes, ist wegen Volksverhetzung, Gewaltdarstellung und Verwendung von NS-Symbolen am Montag zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 28-jährige Cottbuser die rechtsextreme CD "Noten des Hasses" maßgeblich vertrieben hat, auf der zum Mord an Prominente wie Alfred Biolek aufgerufen wird. Außerdem hat Toni Stadler unter den Augen der brandenburgischen Verfassungsschutzes ein Bunkerlager mit "unzähligen" rechtsextremen Hass-CD und weiterem Nazi-Propagandamaterial eingerichtet, urteilten die Richter. Das Berliner Landgericht verhängte die höchstmögliche Bewährungsstrafe für Toni Stadler, der seit dem Spätsommer 2000 als V-Mann gearbeitet hat. Neben dem umfassenden Geständnis war für die Richter strafmildernd, dass die Verfassungsschützer den V-Mann in seinem Tun immer wieder bestärkt hatten. "Der brandenburgische Verfassungsschutz hätte es in der Hand gehabt, die Straftaten im Keim zu ersticken", sagte der Vorsitzende Richter Hans-Jürgen Brüning. Für Prozessbeobachter überraschend regte Brüning zugleich an, dass der brandenburgische Landtag einen Untersuchungsausschuss "zur Aufarbeitung" der Rolle des Verfassungsschutzes einrichten könne. Kerstin Kaiser-Nicht, PDS-Mitglied der Parlamentarischen Kontroll-Kommission in Brandenburg, plädiert nun ebenfalls für einen Untersuchungsausschuss, sollte sie selbst weiter keine Akteneinsicht erhalten. Die Cottbuser Staatsanwaltschaft muss jetzt klären, ob der verbeamtete V-Mann-Führer, der den Decknamen "Bartok" trägt, rechtlich zur Verantwortung gezogen wird. Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt bereits wegen Strafvereitelung gegen "Bartok". Nach Auffassung der Berliner Richter hat "Bartok" von den Straftaten seines V-Mannes gewusst, ihm zudem Hinweise über anstehende polizeiliche Maßnahmen gegeben und ihm zu Tarnungszwecken einen "sauberen" Computer überlassen. Der Berliner Oberstaatsanwalt Jürgen Heinke sprach von einer "gewissen Mitschuld" der Verfassungsschützer.Das brandenburgische Innenministerium rückte das Berliner Verfahren dagegen in die Nähe eines "Schauprozesses gegen den brandenburgischen Verfassungsschutz". Das "erschütterte Vertrauensverhältnis" zwischen Berlin und Brandenburg müsse nun wieder harmonisiert werden, sagte Ministeriumssprecher Heiko Homburg.Toni Stadler selbst wird in das Schutzprogramm des Brandenburger Landeskriminalamtes aufgenommen und mit einer neuen Identität ausgestattet. "Ich werde versuchen, mich an einem anderen Ort auf ein bürgerliches, stressfreies Leben zu konzentrieren", sagte Stadler, der bisher in Guben einen einschlägig bekannten Szeneladen betrieb. Am 21. Juli 2002 war er bei einer Razzia des Berliner LKA festgenommen und als V-Mann der Brandenburger Seite enttarnt worden. Beide Länder hatten gegeneinander gearbeitet. "Das ist ein Problem des Föderalismus", sagte Klaus Linten, Stadlers Anwalt, am Rande des Prozesses.