"Tonspion" gibt Tipps zu legalen MP3-Stücken und führt auf die entsprechenden Internet-Seiten: Erfolgreiche Agenten

Die Geschichte der Start-up-Gründer ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Zuerst dachten sie, im Web sei viel Geld in kurzer Zeit zu verdienen. Das war Blödsinn. Dann dachten sie, man müsse für viel Geld sehr protzige Lofts einrichten und sehr dekadente Partys feiern. Das war Größenwahn. Heute sind sie arbeitslos oder kurz davor und denken: Man hätte etwas vorsichtiger rangehen sollen. Das ist richtig.Auch Udo Raaf hat ein Start-up gegründet. Aber er dachte nach. Darüber, dass sich immer mehr Menschen MP3-Dateien herunterladen und womöglich gerne wissen würden, wo man diese im Internet findet. Diese Suche wollte er den Surfern abnehmen und und gründete im Januar dieses Jahres "Tonspion" , so etwas wie einen Gourmet-Führer für MP3-Freunde. Dafür brauchte er keine Venture-Millionen, sondern lediglich einen handelsüblichen Kredit. Eine Party gab es nicht, denn Raaf hatte zu viel zu tun und keinen Platz. Als Büro diente eine Ein-Zimmer-Wohnung in Köln. Hinterm Schreibtisch stand das Bett. 40 Quadratmeter statt Yuppie-Loft.Nun auch englische VarianteMittlerweile ist der gebürtige Stuttgarter mit seinem Unternehmen nach Berlin gezogen, hat neun Mitarbeiter und expandiert: In der vergangenen Woche wurden die englischen Tonspion-Seiten offiziell ins Netz gestellt. Denn was in Deutschland hervorragend funktioniert, soll nun auch weltweit klappen. Und zwar so:Tagtäglich surfen der 31-jährige Raaf und seine Mitspione durch das Web und suchen das, was die Musikindustrie am liebsten verboten wüsste: MP3-Dateien. Allerdings begeistern sich die Späher nur für legale Songs, die also vom Musiker oder der Plattenfirma zum Download freigegeben sind. Komprimierte Musikdateien auf weißrussischen Hacker-Seiten interessieren sie ebenso wenig wie das Angebot von Napster und Konsorten. Der Studienabbrecher Raaf begreift die virtuellen Songs als "Appetitanreger und nicht als CD-Ersatz". Deswegen werden nur jene Dateien erwähnt, die legal auf Websites von Künstlern, Plattenfirmen und etablierten Online-Plattformen wie Amazon, Launch oder MTV zu finden sind. Und die gibt es in Mengen. Derzeit drängen sich auf den Tonspion-Seiten mehr als 1 000 Download-Tipps - untergliedert in Musikgenres und fundiert kommentiert. Da finden sich seltene Songs von Elvis Costello bis Sinead O Connor, neue Stücke von Surrogat bis Shantel. Und weil die Spione lediglich spionieren, aber nicht stehlen, sind auf den Seiten keine MP3-Dateien zu finden, sondern die Links, die direkt zu den begehrten Daten führen. Ein simples Prinzip mit großem Erfolg. Aus der mickrigen Homepage der Anfangstage ist ein riesiger Auftritt geworden, der ständig aktualisiert und gut besucht wird. Jeden Monat surfen etwa 50 000 Nutzer auf die "Tonspion"-Seiten. Zahlreiche Magazine haben über sie berichtet, in einigen Web-Charts steht die Homepage an erster Stelle. Dabei setzen Raaf und seine neue Geschäftspartnerin Dagmar Schmidt auf Qualität und Mundpropaganda statt auf teure Werbekampagnen. Begehrte LinksUnd weil das so gut funktioniert, wird jetzt expandiert - global. Tonespy heißt der Ableger mit Sitz in London. Eine Hand voll freier Schreiber wühlt sich von London aus durchs Internet und sucht nach MP3-Dateien. "Das Netz ist nun mal global, warum soll man uns dann nicht weltweit nutzen?", fragt Raaf und kündigt einen weiteren Auftritt in spanischer Sprache an.Bleibt nur noch eine Frage: Wie verdienen die Tonspione Geld? Mit Bannerwerbung? "Nein. Das ist lediglich ein kleines Zubrot, nichts, worauf man ein Unternehmen aufbauen kann", sagt Raaf und verweist auf zahlreiche Start-up-Kollegen, die genau an dieser Misere scheiterten. Udo Raaf dagegen lebt von den Schwächen vieler Online-Plattformen. Die haben zwar meist teure Technik und tolle Ideen, aber keine hochwertigen Inhalte, die Surfer längerfristig auf ihre Seiten locken könnte. Damit aber wuchern die Tonspione - immerhin ist Musik neben Sex das Thema Nummer eins im Netz. Raafs Download-Tipps sind begehrter denn je und finden sich bei Online-Angeboten wie Fireball, Popkomm und Spraynet. Zudem gründete er jüngst das Schwesterunternehmen "Musiconsultants". Unter diesem Namen werden Musik-Features produziert und an andere Online-Plattformen verkauft. "Es gibt wahnsinnig viele Firmen, die händeringend nach Inhalten suchen. Genau denen bieten wir Texte zum Thema Musik an", erklärt der Jungunternehmer. Und siehe da: Die Tonspione sind überbeschäftigt, das Geschäft floriert. Geht doch.Infos zu jedem Lied und Interpreten // "Tonspion" bietet mehr als 1 000 MP3-Tipps, die nach Musik-Stilen geordnet sind. Zu jedem Lied und Interpreten gibt es zudem detaillierte Informationen.Außerdem auf den Seiten: ständig aktuelle MP3-News, Infos aus der Musik-Branche, nützliche Service-Beiträge, ein Forum und umfangreiche Berichte über aktuelle Künstler.www. tonspion. de Die englische "Tonspion"-Variante ist erst seit wenigen Tagen online:www. tonespy. com Der Tonspion-Ableger Musiconsultants von Udo Raaf und Dagmar Schmidt bietet Inhalte für Online-Plattformen.www. musiconsultants. de