BERLIN, 29. April. Christian Frings hatte keinen guten Tag erwischt. Dreimal war er allein auf den Schlussmann zugesteuert, dreimal hatten die 500 Zuschauer auf dem Sportplatz an der Ottenfelder Straße hinterher die Hände vors Gesicht geschlagen. Mensch Frings! dachten sie, so wird das nie was mit dem Aufstieg, aber der Tag hatte doch noch ein Einsehen. Am Ende siegten die Grün-Weißen 2:1, was auch Michael Frings zu danken war, der im zentralen Mittelfeld das Spiel lenkte.Die SSG Zopp ist aufgestiegen, das ist am Wochenende ein bisschen untergegangen. Nie mehr Kreisliga B, Gruppe II, künftig darf sich der Klub aus dem Kreis Aachen in der Kreisliga A versuchen. Später haben sie dann noch ein schönes Foto geschossen, auf dem sich alle Zopper in den Armen liegen, der Christian Frings, der Michael Frings, der Torsten Frings.Es ist kein schlechtes Wochenende gewesen für Torsten Frings. Am Sonntag hat der 25-jährige Mittelfeldspieler vom SV Werder Bremen in seinem Nebenjob als Vereinspräsident der SSG Zopp den Aufstieg seiner Brüder besichtigt; tags zuvor, beim 3:2 gegen St. Pauli, hatte er ein paar Ligen höher mit zwei Toren mal eben das Spiel entschieden. Anschließend hat er zum achten Mal den Kickstar von "Premiere" eingesammelt, worauf ihn der "kicker" feierlich zum 12. Mal in die Elf des Tages berief, ohne der Welt vorzuenthalten, dass Frings nun einen Notenschnitt von 2,66 aufweist, womit er als bester Bundesliga-Profi Nowotny (2,78) und Lucio (2,80) souverän hinter sich ließ.Für ein einziges Wochenende war das schon eine ganze Menge, weshalb der SV Werder dem schwer Beschäftigten am Montag einen freien Tag spendierte. Für einen Tag ist Torsten Frings den Fragern also entkommen, aber auf Dauer wird er ihren Recherchen nicht entgehen. Sagen Sie mal, werden ihn die Reporter beim Training fragen, werden Sie am Wochenende ein Tor gegen sich selbst schießen? Frings und seine Bremer führt das letzte Spiel der Saison nach Dortmund, und die Sache ist leider ein bisschen verzwickt: Dortmund muss nämlich gewinnen, um Meister zu werden. Und Bremen muss nämlich gewinnen, um im Uefa-Cup zu sein. Und Torsten Frings spielt nämlich in Bremen. Und im nächsten Jahr spielt er wahrscheinlich in Dortmund.Es hat zuletzt schon mehrfach Fälle gegeben, in denen unbescholtene Bürger sich plötzlich selbst zum Feind hatten. Huub Stevens zum Beispiel; erst am Wochenende hat sich der holländische Trainer derart im Loyalitätsgestrüpp verheddert, dass er seinen alten Klub Schalke 04 und seinen neuen Klub Hertha BSC gleichermaßen in Erklärungsnöte stürzte. Oder Paulo Rink; er steckt zurzeit in der Kluft des 1. FC Nürnberg, aber offiziell zählt er noch zum Eigentum von Bayer Leverkusen, weshalb ihm im Fall der Fälle eine anteilige Meisterprämie zustünde. Dummerweise bekam Rink letztens den Auftrag, Tore gegen Leverkusen zu erzielen. Rink hat das dann so gelöst, dass er ein paarmal auf den Torhüter zulief, der aber praktischerweise sämtliche Versuche abwehren konnte.Im Fall Frings sollte sich darauf niemand verlassen. "Ich tue alles, um Dortmund den Titel zu versauen", sagt er, "wir können es dann ja nächstes Jahr noch mal versuchen." Man wird ihm das glauben müssen, denn Frings Problem ist, dass er längst vergessen hat, wie Schlechtspielen geht. "Typen wie Torsten können gar nicht anders als alles zu geben", sagt Werders Vorstandsmitglied Manfred Müller.Es hat fast fünf Jahre gedauert, bis aus dem stummen Bleichgesicht, das im Januar 1997 verschüchtert zu Werders Profi-Kader stieß, jener kompakte Treibauf geworden ist, der im Bremer Spiel inzwischen Dieter Eilts und Andreas Herzog gleichzeitig ersetzt. Man könnte sagen, er ist ein Typ wie Herzog, nur mit Grätsche. Man könnte auch sagen, er ist ein Typ wie Eilts, nur mit Technik.Inzwischen ist es schon so weit, dass der Alleskönner die Meisterschaft höchstpersönlich entscheiden könnte und die eigene Zukunft gleich mit. Noch immer geben sie in Bremen den Kampf um ihre größte Begabung nicht verloren. Noch immer hoffen sie, dass ihr Frings sie jetzt in den Uefa-Cup schießt und sie dann so viel schönes Geld einplanen können, dass sie ihren Frings nicht verkaufen müssen. "Es gibt nach wie vor kein Angebot aus Dortmund", sagt der Vorständler Müller.In Wirklichkeit dürfte die Entscheidung längst gefallen sein. Natürlich wissen Werders Bosse, dass der noch bis 2003 gebundene Nationalspieler vielleicht nie wieder so viel wert ist wie in diesen Tagen. Im Angesicht der Kirch-Krise und der nach wie vor leeren Trikot-Brust werden sie sich kaum den Luxus leisten, auf die Euros zu verzichten, die der BVB ausgelobt hat. Neun Millionen soll Werder aufgerufen haben, sechs hat der BVB fürs Erste dagegengehalten, am Ende könnte man sich in der Mitte treffen. "Die Sache ist klar, Werder will den Wechsel vor dem letzten Spiel nur noch nicht offiziell verkünden", sagt Frings, der sich bereits die Option auf ein Haus in Dortmund gesichert hat.Praktischerweise wäre Frings dann auch schneller in Zopp, wo die SSG inzwischen Großes vorhat. Im Jahr 2010, verkünden sie im Internet, würden sie gerne mal Deutscher Meister werden. Torsten Frings wäre dann 33. Kein schlechtes Alter für einen Vereinspräsidenten und Spielertrainer.WITTERS Nicht zu fassen: Torsten Frings (r. ), der Bremer Treibauf, entkommt dem Leverkusener Yildiray Bastürk.