Torsten Mattuschka galt lange als schlampiges Talent, im Mittelfeld des 1. FC Union ist er nun eine der Leitfiguren: Gemüse für den Zocker

BERLIN. Auf der bisher letzten Dienstreise wurde im Bus wieder mal gepokert. Wie immer nach erfolgreichen Spielen. Doch diesmal besaßen Christian Stuff und Dustin Heun die besseren Karten als Torsten Mattuschka (27), der sonst als guter Zocker gilt. Womöglich hatte der Mittelfeldakteur zuvor sein Glück ausgereizt, als ihm beim 3:0 in Wolfsburg ein Treffer aus 35 Metern gelungen war. Es war sein sechstes Saisontor - und der Grundstein für die Tabellenführung in der Regionalliga Nord, die der 1. FC Union am Sonnabend gegen Braunschweig (14 Uhr, Alte Försterei) verteidigen möchte. Damit am Saisonende auch Torsten Mattuschka, der im Hinspiel in Braunschweig (5:3 für Union) zweimal erfolgreich war, sein Ziel erreichen kann: "Ich will noch einmal zweite Bundesliga spielen, am liebsten mit Union."Dafür soll auch Stephanie sorgen, seine Freundin. Sie hat, natürlich auf eine liebevollere Art, einen Teil des Aufgabengebietes von Eduard Geyer übernommen. Unter dem Drillmeister hat Mattuschka einst bei Energie Cottbus gedient und es sogar bis in die erste und zweite Liga geschafft. Unterstützt wird Stephanie von Christian Beeck, Unions Sportdirektor und seit gemeinsamen Tagen in Cottbus ein Kumpel von Mattuschka. "Tusche", sagt er, "bringt alles mit, was ein exzellenter Fußballer braucht." Seinen starken rechten Fuß, auch die gute Übersicht; "aber Tusche braucht öfter einen Tritt in den Hintern". Früher in Cottbus hat das Geyer gemacht.Energie hatte Mattuschka im Winter 2002 vom Dorfklub SV Dissenchen abgeworben, eigentlich für die Amateurmannschaft. 100 Tore in 100 Spielen hatte er in der Landesklasse erzielt. Geyer erkannte das Talent, er forderte ihn aber auf, erst einmal abzuspecken. Binnen weniger Wochen trainierte er ihn von 98 Kilo Lebendgewicht auf 81 Kilo herunter. "Das war eine harte Zeit, fast ohne Essen. Ich habe damals mit knurrendem Magen Fußball gespielt. Mein Problem ist, dass ich so veranlagt bin, dass alles gleich ansetzt." Freundin Stephanie dagegen kocht gesund, fettarm, mit viel Gemüse. "Und sie sagt mir auch immer wieder eindringlich, ich soll nicht so viel Süßes essen."Einstweilen klappt es es auch so gut für den Mann, der von seinem sechsten bis zum 14. Lebensjahr bereits bei Energie spielte, dem dann aber die schönen Seiten des Lebens wichtiger wurden als der Traum vom Profifußball. "Ohne Beeck", räumt er ein, "würde ich nicht so hochklassig kicken." Er holte den zwischenzeitlich in Cottbus wieder Ausgemusterten 2005 zu Union, auch gegen einige Widerstände. Allerdings kam er unter dem ehemaligen Trainer Christian Schreier nie über die Rolle eines Ergänzungsspielers hinaus. "Es hat nicht gepasst. Ich hätte machen können, was ich will", sagt Mattuschka, der froh war, für diese Saison noch einmal einen Kontrakt erhalten zu haben. Klar, auch weil Beeck sich für ihn einsetzte. Aber auch Uwe Neuhaus sei "ein super Trainer, der allen eine Chance gibt", sagt Mattuschka.Der Coach sagt, er registriere, wie sehr Mattuschka an sich arbeite: "Sein Fleiß wird belohnt." Nach Trainingsschluss sieht man Mattuschka oft noch jene gewaltigen Freistöße üben, die längst zu einer Stärke der Köpenicker geworden sind. Weshalb Union den Vertrag mit dem Profi bis 2009 verlängert hat.Eine Prämie für den Aufstieg in die zweite Liga hat Mattuschka jedoch nicht ausgehandelt. "Es geht mir nicht ums Geld, sondern ich spüre, dass ich hier gebraucht werde und Verantwortung übernehmen darf", sagt er. Im Dezember hat er sogar trotz eines Muskelfaserrisses in der Schulter gespielt. Schlank und mit einem eisernen Willen - so einen lieben sie bei Union.------------------------------Foto : Gefühl im Fuß: Torsten Mattuschka (27) vom 1. FC Union.