Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hält den Widerstand gegen die Pkw-Maut für unerheblich. Die Mehrheit der Bevölkerung sei dafür, hat er erst am vergangenen Wochenende wieder erklärt. Dabei gibt es auch in der CSU Ärger, vor allem an den Landesgrenzen. Christian Klotz macht im bayrischen Bad Reichenhall Tourismus-Marketing. Außerdem hat der Vorsitzende des IHK-Handelsausschusses ein Geschäft für Lederwaren.

Herr Klotz, was halten Sie von der Pkw-Maut?

Ich bin ein begeistertes CSU-Mitglied. Aber die Maut ist mal wieder so eine CSU-Schnapsidee.

Warum das denn?

Überlegen Sie alleine mal, was das an Kontrollkosten nach sich zieht. Wir haben gerade für viel Geld die ganzen Grenzstationen abgebaut. Jetzt müsste man für x Millionen neue Mautstationen bauen. Das ist doch absolut verrückt. Außerdem widerspricht die Maut völlig der Idee vom grenzfreien Europa. Jahrelang hat man uns erzählt, wir sollen über die Grenze hinweg denken. Deswegen haben wir Theater gebaut, Konzertsäle, Fußballstadien – die hier von beiden Seiten genutzt werden: Von Bewohnern wie Touristen aus Deutschland und aus Österreich. Jeder, der auf einen Fußballplatz will, müsste künftig die Maut zahlen.

Bundesverkehrsminister Dobrindt sagt, das sei nicht so schlimm. 24 Euro für einen Kleinwagen könne man sich schon leisten.

So ein Schmarrn. Hier in Bad Reichenhall haben wir für viele Millionen Euro eine neue Therme gebaut. Die Hälfte der Besucher kommt aus Österreich – und die kommen einmal im Jahr und nicht alle paar Tage. Mit der Maut werden dann aus zehn Euro Eintritt 34 Euro fällig. Und auch die Einbußen für Tourismus und Gastronomie wären katastrophal.

Womit rechnen Sie denn konkret?

Bei unseren Top-Tourismus-Zielen wie dem Königssee würden bis zu 30 Prozent der Gäste wegbleiben. In Bad Reichenhall mit seinen 17 000 Einwohnern müsste der Einzelhandel auf 40 bis 50 Millionen Euro verzichten. In der Grenzstadt Freilassing bei Salzburg wären es auch 50 Millionen Euro. Diese Maut ist ein unglaubliches Monster, die macht Betriebe kaputt und zerstört Arbeitsplätze.

Aber wenn Sie nach Österreich fahren, müssen Sie doch auch ein Pickerl kaufen.

Aber nur, wenn ich auf der Autobahn fahre, nicht auf den Bundesstraßen.

Die Pkw-Maut war ja ursprünglich auch nur als Autobahn-Maut angekündigt. Wäre das dann besser?

Eine Autobahn-Maut wäre auch ein Blödsinn, sie widerspricht ja auch der europäischen Idee. Aber sie hätte wenigstens nicht so hohe Folgekosten gehabt.

Minister Dobrindt sagt, die Mehrheit sei für die Maut.

Man muss Herrn Dobrindt den Vorwurf machen, dass er sich vor Ort nicht erkundigt hat. Er hat keinen Überblick darüber, was in den Grenzregionen los ist. Hier ist die örtliche CSU strikt gegen die Maut. Alle, die ein bisschen etwas von der Wirtschaft im grenznahen Bereich verstehen, sind dagegen. Herr Dobrindt weiß nicht, was er tut.

Er setzt ein Wahlversprechen der CSU um. Man soll doch halten, was man versprochen hat, oder?

Konrad Adenauer hat mal gesagt: Was interessiert mich mein Schmarrn von gestern.

Ist der Maut-Ärger denn für Sie ein Grund, es sein zu lassen mit der CSU?

Nein, das ist kein Grund, die CSU sein zu lassen. Man kann nur hoffen, dass der Herrgott in der CSU-Führungsspitze Geist regnen lässt.

Das Gespräch führte Daniela Vates.