Harald Japke hat 50 Jahre Karlshorster Trabergeschichte mitgeschrieben. Als Trainer und Fahrer eines Privatstalles gewann er dreimal den hochdotierten "Großen Preis der DDR" - gegen die übermächtige Konkurrenz aus den Volkseigenen Ställen. Für noch mehr Schlagzeilen sorgte Japke, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, Ende 1964 mit einer ganz anderen Tat.Harald Japke stammt aus einer Berliner Traberfamilie. Großvater Paul besaß einen Rennstall. Vater Alfred führte das Erbe fort. Mit großem Erfolg: 1931 triumphierte der Japke-Hengst "Cicero" beim Deutschen Derby. "Da war es schon fast ,Pflicht`, daß ich in die Traberlehre ging", sagt Harald Japke. "Ich habe es bis heute nicht bereut." 1 200 Siege habe er als Trainer errungen, 930mal dabei selbst im Sulky gesessen. So etwa. Die genauen Zahlen wisse er nicht. Japke hat nie in einem Volkseigenen Stall gearbeitet. "Ich wollte mein eigener Herr bleiben, auch wenn das natürlich ungleich schwerer war." Das begann beim Kampf ums Futter. Die tägliche Hafer-Zuteilung beschränkte sich auf sieben Pfund je Traber. Die VE-Traber bekamen zehn Pfund, dazu noch Spezialfutter, das den Privaten ganz verwehrt blieb. Klar, daß sie im Endspurt mehr zuzusetzen hatten.Unter diesen Umständen kam es jedesmal fast einer Sensation gleich, wenn Japke bei den Eliterennen mit diesen "Gäulen" der übermächtigen Konkurrenz ein Schnippchen schlug. Das gelang ihm beim "Großen Preis der DDR" 1966 mit Danilo, 1972 mit Rinaldo und 1976 mit Juvadus. 1967 triumphierte er sogar beim internationalen "Bersarin-Erinnerungsrennen" gegen die versammelte Konkurrenz aus Osteuropa. Zur stadtbekannten Person wurde Japke allerdings durch eine ganz andere Geschichte. Ganz Ost-Berlin lachte Ende 1964 mit dem Trabertrainer. Wochenlang berichteten die Zeitungen, auch die "Berliner", über den rätselhaften Fund auf dem Karlshorster Rennbahngelände. Bauarbeiter hatten das Skelett eines Nilpferdkopfes ausgegraben. Tierpark-Chef Prof. Dathe eilte herbei, Experten aus dem Naturkundemuseum, Wissenschaftler der Humboldt-Universität. Ein Nilpferd mitten in Europa. Erste Gutachten schätzten das Alter des Fundes auf 15 000 Jahre. Japke und sein Freund Klaus Dieckmann wußten die Wahrheit. Sie hatten das Skelett, das sie zuvor auf einem Dorf von der Witwe eines in Deutsch-Südafrika kämpfenden Kolonialisten erhalten hatten, in die sechs Meter tiefe Baugrube eingebuddelt. Nur so aus Spaß, um die Bauarbeiter zu foppen. Doch die kamen von ihrer Kaffeepause nicht wieder zurück, machten gleich Feierabend. "Und als wir am nächsten Tag nachmittags von einer Tour über die Dörfer zurückkehrten, hatte die Sensation schon so weite Kreise gezogen, daß wir, völlig geschockt, uns nicht trauten, mit der Wahrheit rauszurücken." Erst sechs Wochen später, als die Experten herausfanden, daß da jemand geschummelt hatte, deckten sie den ganzen Schwindel auf. "Die BZ am Abend, der Vorgänger des heutigen Kuriers, hatte 100 Mark Prämie ausgesetzt für denjenigen, der Licht ins Dunkle bringt", amüsiert sich Japke noch heute köstlich.Seine Trainerlizenz hat Harald Japke bereits vor drei Jahren abgegeben. "Es müssen auch mal Jüngere ran." In den Sulky aber steigt er nach wie vor. An diesem Sonnabend im 11. und 12. Rennen. +++