PARIS, 6. November. Es war, als treffe sich eine untergegangene Epoche zu ihrer eigenen Beerdigung. Müde und reich aussehende, vornehmlich ältere Herrschaften, etwa 150 an der Zahl, fanden sich am Dienstagnachmittag vor der Amerikanischen Kathedrale in Paris ein: Es galt Abschied zu nehmen von Soraya, der einstigen Kaiserin des Iran. Die war am 25. Oktober im Alter von 69 Jahren von ihren Bediensteten tot aufgefunden worden.Am Dienstag sorgte die traurige, vom Schah von Persien wegen ihrer Unfähigkeit, Kinder zu bekommen, verstoßene Märchenfee, später eine schillernde, rastlose Figur des internationalen Jetsets, noch einmal für eine Überraschung: die frühere Herrscherin des Iran war Protestantin. Es war 15. 03 Uhr, als ein einfacher Leichenwagen vor der American Cathedral in der Avenue George V. , dicht bei den Champs Élysées, vorfuhr. Ganz in der Nähe, in der Avenue Montaigne, hatte Soraya gelebt. Keine Eskorte begleitete den Wagen mit dem Sarg, der mit einem blauen Tuch bedeckt war, auf dem eine einzige rote Rose lag."Auf Tragödien abonniert" Vor der Kirche hatte sich eine große Schar von Kamerateams und Fotografen aus der ganzen Welt angesammelt, die nun nach prominenten Gesichtern suchten. "Ich habe noch nie in meinem Leben so viele ältere Frauen mit Schönheitschirurgie beieinander gesehen", staunte respektlos eine junge französische Journalistin.Angetreten waren Vertreter von Europas Hochadel wie der Graf von Paris, Henri d Orléans, Ira von Fürstenberg, Beatrix zu Hohenlohe-Langenburg, Rixa von Oldenburg und Anne von Bourbon-Sizilien. Der alte persische Kaiserhof war vertreten durch den Bruder des verstorbenen Schah, Gholam Rheza. Nicht anwesend war Sorayas Nachfolgerin Farah Diba. Auch sie lebt einen Teil des Jahres in Paris, im Club Tennis de Longchamps spielt sie regelmäßig unter Aufsicht von Leibwächtern ihre Doppel.Zur Trauerfeier durften nur geladene Gäste. Auf der Einladung stand: "Zur Feier der Erinnerung an das Leben Ihrer Kaiserlichen Hoheit Prinzessin Soraya Esfandiary-Bakhtiary - 22. Juni 1932 bis 22. Oktober 2001. " Vorbereitet hatte die Feier, deren Höhepunkt Franz Schuberts Ave Maria - gesungen von einer iranischen Sopranistin - war, Sorayas Bruder Bijan Esfandiary. Mitten in den Vorbereitungen war er vorigen Freitag in Paris gestorben. "Die Esfandiarys scheinen auf Tragödien abonniert", sagte einer der Trauergäste.Soraya, deren Vater iranischer Botschafter in Bonn war und die fließend Deutsch sprach, wurde eingeäschert. Sie soll - gemeinsam mit ihrem Bruder - in München in der Familiengruft der Esfandiarys beigesetzt werden. Letzte Station eines tragischen Lebens.