Trauerfeier für Nelson Mandela: Südafrika im Ausnahmezustand

Für die meisten Südafrikaner ist es immer noch ein zauberhafter Moment: Auf dem Rasen des großen Johannesburger Fußballstadions haben sie ihren Nationalhelden Nelson Mandela im Jahr 2010 das letzte Mal in der Öffentlichkeit gesehen - vom Alter gezeichnet, aber mit einem Strahlen im Gesicht. „Madiba magic“ nennen das die Leute; ein Lächeln, das berührt. Jetzt nimmt Südafrika Abschied von „Tata Mandela“ (Vater Mandela) an genau diesem Ort.

Es wird die größte Trauerfeier, die das Land je erlebt hat; einige sprechen bereits von der größten der Welt. 91 Staats- und Regierungschefs haben sich bereits angekündigt, ständig aktualisiert Ministeriumssprecher Clayson Monyela die Liste auf Twitter. Schon jetzt kämen 20 Regierungschefs mehr als zur Beerdigung von Papst Johannes Paul II, schreibt er.

Mehr als ein halbes Jahr lang - seit klar war, dass es dem 95-Jährigen schlecht geht - konnte sich die Regierung auf Mandelas Tod vorbereiten. Trotzdem scheint sie jetzt von der Größe des Ereignisses überfordert. Monyela spricht von einer logistisch „sehr schweren Aufgabe“. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 hätten sie es ja auch geschafft, beeilen sich die Verantwortlichen zu sagen. Doch damals half der Weltverband Fifa.

Gauck reist auch an

Allein der Besuch von US-Präsident Barack Obama im Sommer hatte massive Sicherheits- und Logistik-Herausforderungen mit sich gebracht. Jetzt aber müssen seine Pläne mit denen von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Vertretern von Königshäusern und Dutzenden weiteren Delegationen abgestimmt werden. Auch Bundespräsident Joachim Gauck reist an.

Dazu kommt, dass die Trauerfeier am Dienstag eine von wenigen Chancen für die Bevölkerung der Regenbogennation ist, ihrem Helden noch einmal Tribut zu zollen. Denn zur Beisetzung am Sonntag im kleinen Dorf Qunu im Süden reisen vor allem Familienmitglieder und Weggefährten an. In das riesige Johannesburger Stadion passen immerhin 94 000 Menschen. Doch es werden am Dienstagmorgen wohl noch weit mehr vor den Toren stehen.

Fünf Stunden vor der Feier wird das große Rund öffnen; alle Straßen rund um das Stadion werden bereits um Mitternacht gesperrt. Nicht wenige wollen deshalb schon am Abend ihr Lager aufschlagen, um einen sicheren Platz zu ergattern. Die Pläne, wie Zehntausende Besucher das Stadion ohne Auto erreichen sollen, sind noch vage. Der auch sonst nicht immer verlässliche öffentliche Nahverkehr ist auf diese Massen kaum vorbereitet.

Das Leben im quirligen Johannesburg läuft etwas langsamer in diesen Tagen der landesweiten Trauer. Alle Fußballspiele der Woche wurden verschoben, um die Feier und andere Gedenken auf großen Leinwänden in den Stadien zu übertragen. Hier sollen all diejenigen untergebracht werden, die am Dienstag nicht mehr ins große Stadion passen.

Vor Mandelas Haus im Stadtteil Houghton dagegen wird auch vier Tage nach seinem Tod noch immer getanzt und gesungen. Der Blumenberg wächst unaufhörlich. Souvenirhändler haben sich am Straßenrand aufgebaut. In der Nähe stehen die Menschen an, um sich mit einer sechs Meter hohen Mandela-Statue fotografieren zu lassen.

Die Stimmung ist fast ausgelassen, die Menschen feiern Mandela statt um ihn zu weinen. Das hätte Madiba nicht gut gefunden, sagt an anderer Stelle Andrew Mlangeni, der zusammen mit Mandela im Gefängnis saß. „Ich schlage vor, wir feiern lieber sein Leben, ein gutes Leben, das er mit einer Bestimmung gelebt hat.“ (dpa)