PRENZLAUER BERG. Wo stand das große Tiefkühlhaus in der Schnittbrotabteilung denn nun genau? Gleich rechts an der Treppe oder doch etwas weiter hinten? Die Bäckermeister Siegfried Zimdars und Klaus Meyer wissen das nicht mehr so richtig, dabei sind sie jahrzehntelang am Tiefkühlhaus vorbeigelaufen. Aber über dieses Detail streiten die beiden nicht. Hauptsache, alle anderen Erinnerungen stimmen. 13 Jahre nach seiner Schließung treffen sich die ehemaligen Mitarbeiter des volkseigenen Backwarenkombinates (Bako) in ihrem alten Betrieb an der Prenzlauer Allee, Ecke Saarbrücker Straße. Wo früher Brot und Brötchen für die DDR-Hauptstadt gebacken wurden, haben heute Firmen und Agenturen große Hallen gemietet. Den türgroßen Tresor aus Bako-Zeiten nutzt eine Firma, die Brillen herstellt. In der ehemaligen Versandabteilung im Erdgeschoss stehen Designermöbel zum Verkauf. Große Fotos an den Wänden erinnern an eine Zeit, als bei Bako 700 Bäcker, Konditoren, Techniker und Verwaltungsangestellte gearbeitet haben.Zu DDR-Zeiten produzierte Bako täglich 5,4 Tonnen Brot in 18 Sorten, 300 000 Schrippen und 44 000 Toastbrote. "Brot war ein Politikum", sagt Klaus Meyer. Nie durfte welches fehlen. An jedem Wochenende mussten 15 000 frische Brote bereitliegen, ständig 20 000 Toastbrote eingefroren sein. Falls der Krieg beginnt. "Weil das nicht passierte, wurde am Montag ein Großteil der Brote an Schweine verfüttert", sagt Meyer. Subventioniertes Schweinefutter, denn ein Vollkornbrot kostete nur 45 Pfennige. In den 70er-Jahren bekam das Werk eine "kombinierte Schrippen- und Toastbrotanlage" aus dem Westen. An ihr wurde auf Hochtouren und im Vier-Schicht-System gearbeitet. "Neue Sägeblätter holte ein Kollege später im Aktenkoffer aus West-Berlin", erinnert sich Meyer. Nach der Wende schloss das Backwarenkombinat, die Mitarbeiter wurden entlassen. Jetzt sind die meisten Rentner. "Der Zusammenhalt unter den Kollegen war damals größer als heute", sagt Klaus Meyer. "Die DDR-Mangelwirtschaft machte aus den Kollegen richtige Freunde." Und die würden noch heute ihre Hand für ihr Produkt geben. Vor allem, wenn es um die Ost-Schrippe geht, die aus Hefe, Wasser, Mehl und Salz bestand. Dabei habe auch die DDR eine Zeit lang versucht, Brötchen in Westmanier herzustellen, sagt der Technologe Siegfried Zimdars. Das wäre allerdings zu teuer geworden. "Bei dem Brötchenpreis von fünf Pfennig konnten keine teuren Zutaten verwendet werden", sagt er. "Keiner war damals mit der Ost-Schrippe zufrieden, heute wollen sie alle wiederhaben", sagt Zimdars. Seine Kollegen nicken.BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK Ehemalige Mitarbeiter des Backwarenkombinats erzählen, wie es früher war. Heute arbeiten Designer und Kreative im Firmenzentrum Backfabrik.