Michael Salchow wischt den Staub von der Maschine, die auf dem Boden steht. VEM steht auf dem Elektromotor, vielleicht für VEM Sachsenwerk, Salchow ist sich da nicht sicher. "Irjendwat volkseijenet", sagt der Elektromonteur und sieht sich in dem ungefähr zwei mal zwei Meter großen, höchstens 1,90 Meter niedrigen Raum um. An der Wand hängt ein vergilbter Schaltplan. "Antriebsmotor Planetensystem" steht an einem grünen Schaltkasten, in diesem Raum etwa zwei Meter unter der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz.Etwa ein Mal im Monat absolviert Salchow diese Inspektionsgänge an der Uhr. Durch den Schaft führt eine schmale Leiter nach oben in den Ring, in dem man fast aufrecht stehen kann, oder nach unten. Dort geht es durch eine Luke wie in einem U-Boot in den Raum mit der Technik.Von hier kommt der Strom, der den Ring der Uhr antreibt, auf dem sich die Zeitzonen drehen mit Städten wie Antananarivo (Madagaskar), Pressburg (heute Bratislava) oder Kap Desch-new (der nordöstlichste Punkt Russlands). 1969 wurde die Uhr aufgestellt, 1993 und 1997 modernisiert und mit einem neuen Computer ausgestattet, der die Elektromotoren für den Ring stundengenau steuert. Die vier Uhren am Schaft laufen sogar minutengenau.Wenn das mal nicht der Fall ist, hört Salchow schnell davon. "Irgendjemand bekommt das immer sofort mit, und dann muss ich alles stehen und liegen lassen und zur Uhr rausfahren." Oft komme das aber nicht vor. "Voriges Jahr hatten wir mal einen Ausfall, aber das war nach 24 Stunden gegessen. Die Technik ist nicht totzukriegen", sagt Salchow. Manchmal muss er eine der 70 Glühbirnen auswechseln, die an der zehn Meter hohen Konstruktion an verschiedenen Stellen stecken, sonst ist nicht viel auszubessern.Herumgeklettert in der Weltzeituhr ist der 44 Jahre alte Michael Salchow schon 1978 als Lehrling. Später schraubte er immer mal wieder daran, 1995 machte er sich selbstständig und bekam den Wartungsauftrag vom Senat. "Die Uhr ist immer wieder zurückgekommen zu mir. Oder ich zu ihr, je nachdem", sagt Salchow.Da nicht allzu viel zu reparieren ist in der Uhr, kümmert sich Salchow hauptsächlich um die Sauberkeit. Hin und wieder findet sich im oberen Ring eine Bierflasche, die ein geschickter Werfer dort platziert hat, Graffiti müssen beseitigt werden. Die Weltzeituhr soll schließlich schick aussehen. "Hier kommen Leute aus Malaysia her und sagen stolz, guck, da oben ist unsere Stadt verewigt", sagt Salchow. Die Beliebtheit als Treffpunkt ist ungebrochen. Während der Viertelstunde, in der die Tür des Schaftes offen steht, kommen sicher ein Dutzend Passanten vorbei und beobachten das Innenleben interessiert. "Der Alexanderplatz wird ganz sicher bald ein richtiges Stadtzentrum werden, mit der Weltzeituhr im Mittelpunkt", sagt Salchow: "Und genau da gehört sie hin." (mam.)------------------------------Foto: Minutengenau: Michael Salchow hat schon 1978 die Weltzeituhr gewartet.Mythos, Ärgernis, Vision für ein Berliner Stadtzentrum - der Alexanderplatz war schon immer vieles, vor allem aber eines: irgendwie unfertig. Doch nun ist ein Ende der Bauarbeiten absehbar. Und der Alex hat großes Potenzial, sagen manche.