Dresden/Berlin. ADNDl. Berliner Treuhandanstalt hat mit Bedauern auf den „äußerst komplizierten Rechtsstreit“ zwischen den beiden Dresdner Kamera-Herstellern Jos. Schneider Feinwerktechnik GmbH & Co. KG und den Kamera-Werken John Noble GmbH um die Führung des Markenzeichens Praktica reagiert. Die Treuhandanstalt werde „jede Unterstützung leisten“, um diesen Streit einer Lösung zuzuführen, wobei man allerdings auch auf das Engagement der beiden Kamera-Produzenten in Sachsen vertraue. Das teilte eine Sprecherin der Treuhandanstalt am Donnerstagabend in Berlin mit. Nach Treuhand-Angaben war der Berliner Breuel-Behörde die Restitutionsanmeldung von Sir John Noble zwar frühzeitig bekannt, jedoch sei sie nicht über „die näheren Umstände seines vermögensrechtlichen Anspruches“ informiert gewesen. Erben meldeten sich vor nunmehr vier Jahren. Im Mai 1990, hatten die Gebrüder John und George Noble als Erben von Charles A. Noble ihre gemeinsamen Rückübertragungsansprüche an dem Kamera-Werk in Dresden-Niedersedlitz geltend gemacht. Noble senior hatte den ostdeutschen Betrieb bis zur Enteignung 1948 als Geschäftsinhaber geführt. Erstes Gutachten vom späteren Rückübertragungsbescheid zum 1. August 1991 wurden die Warenzeichenrechte ausgenommen, nachdem von der Treuhandanstalt drei Rechtsgutachten eingeholt worden waren. Am Mittwoch war in der sächsischen Landeshauptstadt bekannt geworden, daß nach einem vom Sächsischen Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen in Auftrag gegebenem unabhängigen Rechtsgutachten die Rechte am Marken und Warenzeichen Praktica dem 71-jährigen Noble zustehen. Laut Gutachten war die Treuhand nicht berechtigt, im Zuge der Liquidation des einst renommierten DDR-Kamera-Herstellers Pentacon und eines laufenden Restitutionsanspruch-Verfahrens von Noble das Warenzeichen Praktica zu verkaufen. Dieses Warenzeichen erwarb ebenfalls vor vier Jahren der Chef der in Berlin ansässigen Beroflex AG, Heinrich Mandermann, der in Dresden die Schneider Feinwerktechnik als Tochter gründete. Nach Zeitungsberichten hat Mandermann gegen die Entscheidung einer Rückgabe der Namensrechte an die Dresdner Konkurrenz inzwischen Widerspruch eingelegt: „Die Treuhand hat mir die Rechte verkauft. Ich denke nicht daran, den Namen wieder herzugeben oder noch einmal dafür zu bezahlen.“ Im erbitterten Streit ist längst kein Ende abzusehen. Auch Noble wolle hartnäckig bleiben und nun die Treuhand verklagen, hieß es.