BERLIN. Heute verabschiedet sich vielleicht der Muskelkater von Chris McCormack, aber die Müdigkeit kann der Triathlet nicht einfach aus dem Körper schütteln. Der Australier hat am Sonntag den Ironman Germany in Frankfurt am Main gewonnen. Und selbst für Profis ist so ein Wettkampf über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen eine Tortur, die nachwirkt. McCormack, 35, ist bekannt als der Mann, der immer lächelt, aber als es nach 7:59:55 Stunden das Ziel am Frankfurter Römer erreichte, wirkte das Lachen selbst bei ihm, dem Showman, maskenhaft.McCormack ist ein Mann der Extreme. Zu Beginn der Karriere blätterte er die Triathlon-Magazine durch, die er im Süden seiner Heimatstadt Sydney bekommen konnte. Er notierte die Rennen, die er einmal gewinnen wollte, 27 waren es. Er hat sie inzwischen alle gewonnen. Zuletzt 2007 den Ironman-Klassiker auf Hawaii. Und nun?Nun hat er etwas Neues, Verrücktes vor. Er will am Sonntag, eine Woche nach dem Ironman in Frankfurt, auch in Roth antreten. Das bedeutet: wieder 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer Laufen. Ist das ein irrwitziger Selbstversuch? Ein Plan, der die natürlichen Ressourcen des Körpers überfordert? Eine Idee, die im Epo-Zeitalter nur mit entsprechender Nachhilfe funktioniert? Oder ist es nur ein PR-Gag?Thomas Hellriegel, Ironman-Hawaii-Sieger von 1997 aus Bruchsal, weiß, wie man sich eine Woche nach einem Langdistanz-Triathlon fühlt: "Wie mit einer Grippe bei 40 Grad Fieber. Vom Sofa aufzustehen und eine Zeitung zu holen, ist da schon ein großes Ding." Nachts, erzählt Hellriegel, "kommt der Puls nicht richtig runter, tagsüber kommt er nicht richtig hoch." Eine Woche nach einem Ironman, bekräftigt der Reutlinger Triathlet Stephan Vuckovic, "ist man kaputt, lustlos, antriebslos". Nicht nur der Körper ist ausgelaugt, auch der Kopf muss sich von den extremen Strapazen erholen. Man habe erst nach fünf, sechs Wochen wieder die volle Leistungsfähigkeit erreicht.Warum sollte sich Chris McCormack also nochmal ein Acht-Stunden-Rennen antun? Noch dazu, wo am 11. Oktober schon die Titelverteidigung auf Hawaii ansteht? Der fränkische Triathlon-Veranstalter Felix Walchshöfer schmunzelt. Er hat lange nicht mehr so viele Anrufe bekommen wie in den vergangenen Tagen. Alle fragen ihn nach Chris McCormack. "Er ist ein ziemlicher Ego-Typ, er braucht die Herausforderung", antwortet Walchshöfer dann. McCormack habe ihm gesagt, er sei schon Kurzdistanz-Weltmeister und Langdistanz-Weltmeister gewesen. Jetzt müsse etwas Neues her."Ich bin gespannt"Tatsächlich ist eine Menge Geld im Spiel. McCormack ist in den vergangenen fünf Jahren in Roth gestartet, viermal hat er dort gewonnen. Sein Vertrag verpflichtet ihn auch 2008. Als Hawaii-Sieger war er mittlerweile aber auch für den Frankfurter Ironman-Veranstalter Kurt Denk interessant. Dessen Gebot lag bei 100 000 Euro Antrittsgeld - an die Bedingung geknüpft, dass der Australier ins Ziel kommt. Walchshöfer sagt, er habe McCormacks Gage gestaffelt: Anreise, Start, Finish, Ankunft Top Ten, Siegesbonus. Sagt der Sportler ab, muss er Vertragsstrafe zahlen.Dass McCormack in Roth das Schwimmen und Radfahren hinter sich bringt, halten die deutschen Profis für möglich. Erst das Laufen gehe richtig an die Substanz. "Da wird der Muskel zerstört, die Beine müssen tausende Male die 70 Kilo Körpergewicht abfangen, die jedes Mal auf den Boden prallen", sagt Hellriegel. "Er ist Profi genug, dass er im Hinblick auf Hawaii nichts riskieren wird", vermutet Vuckovic. Felix Walchshöfer meint: "Wenn ein Athlet es schaffen kann, beide Rennen zu gewinnen, dann Chris." Er weiß jedoch auch, dass so ein Auftritt die Glaubwürdigkeit des Sports weiter in Frage stellen würde. Walchshöfer hat sich im Rahmen seiner Möglichkeiten darauf eingestellt. Statt 100 000 US-Dollar als Prämie für einen Weltrekord zu zahlen, finanziert er am Donnerstag den Bluttest der 66 Topathleten mit dem Geld. McCormack hat öffentlich versprochen, das Rennen ernsthaft anzugehen, dem Publikum in Roth als Dank für all die schönen Jahre eine große Show zu bieten. Auch wenn es wieder weh tun wird. "Ich bin gespannt", sagt Thomas Hellriegel.------------------------------Foto: Blick zurück: Frankfurt liegt hinter Chris McCormack, Roth steht ihm bevor.