BRAND. Es sind vor allem Sachsen, die in diesen Tagen kommen, Familien mit Kindern, junge Leute. Sie haben Ferien, und jeden Vormittag werfen sie ihre Handtücher über einen Großteil der Liegen am palmenbesäumten Südsee-Strand, die erst abends wieder geräumt werden. Der Freizeitpark Tropical Islands als willkommenes und nahes Ausflugsziel. Dresden ist nur gut eine Autostunde entfernt.Doch an diesem Wochenende sind die Herbstferien in Sachsen vorüber, und zwei Tage später ist es auch erst einmal vorbei mit dem Spaß unterm Hallendach. Acht Wochen bleibt die Kunstlandschaft mit echtem Tropengrün wegen Umbau geschlossen - ausgerechnet im November und Dezember, wo es drinnen eigentlich am schönsten ist. Das Unverständnis über das vermeintliche Eigentor ist groß.Arbeitsplätze und PrestigeDoch Rainer Wilkens, der Marketing-Chef von Tropical Islands, weist Vorwürfe mangelnder Professionalität zurück. "Wir haben viele Szenarien durchgerechnet. Der Einnahmenverlust bei einer Komplettschließung in dieser Zeit ist vergleichsweise gering", sagt Wilkens. Der November und die Vorweihnachtszeit gelten in der Branche als Nebensaison, behauptet er. "Es gibt nirgendwo Ferien, kaum jemand macht Urlaub und die Leute gehen in der Freizeit lieber einkaufen." So argumentiert er und fügt an, dass Tropical Islands selbst jetzt, in Sachsens Ferienzeit, längst nicht ausverkauft sei. "Zuletzt waren alle 3 000 Schließfächer an mehreren Tagen im August belegt", sagt er. "Warum sollten wir da schließen?"Den Umbauplänen und auch der umstrittenen Schließzeit hat der Mutterkonzern Tanjong in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur längst zugestimmt. Es ist eine Flucht nach vorn. Fast ein Jahr dauerte die Vorbereitungsphase, bei der es nicht nur um die Planung, sondern schlicht ums Geld ging. 15 Millionen Euro steckt der Konzern jetzt noch einmal - nach fast 90 Millionen für den Umbau - in seinen Verlustbringer. Das Land Brandenburg ist mit 17 Millionen Euro dabei. Mit der zweifelhaften Finanzspritze will Brandenburg den Erfolg des Spaßanbieters unbedingt sichern. Mindestens 501 Arbeitsplätze hängen daran - und eine Menge Prestige.Ursprünglich wollte Tropical Islands ganz ohne Fördermittel auskommen. Immerhin war der Bau der Halle, in der riesige Lasten-Luftschiffe gefertigt werden sollten, vor sechs Jahren schon mit rund 39 Millionen Euro vom Staat unterstützt worden. Doch die Firma Cargolifter ging pleite, und der Immobilien-Nachfolger spürte die Schwierigkeiten des Geschäfts schnell. Denn das erste Jahr der im Dezember 2004 eröffneten Tropenlandschaft verlief mit einem Umsatz von 24 Millionen Euro (statt erhoffter 70 Millionen) alles andere als erfolgreich. Nicht drei Millionen Besucher, wie sie der Ideengeber und Investor Colin Au in Aussicht stellte, kamen, sondern nur 975 000. "Die völlig überzogene Prognose hängt uns bis heute an", klagt Marketing-Mann Wilkens.Die ernüchternde Bilanz führte auch zu der Umbauentscheidung der Tanjong-Manager in Kuala Lumpur. Wasser, Strand und wuchernde Tropenpflanzen allein reichen nicht aus, um ausreichend viele Besucher in die brandenburgische Provinz zu locken, so die Erkenntnis. Ein "höherer Nutzwert" in Form von Kinderspaß und Wellness sowie Übernachtungsmöglichkeiten sollen, wie Wilkens sagt, die Wende bringen.Ein 25 Meter hoher Wasserrutschen-Turm - angeblich der größte in Deutschland - ist der Mittelpunkt des nun geplanten 4 000 Quadratmeter großen Kinderbereichs an der Ostseite der Halle. Auf vier Rutschen geht es nach Weihnachten von der Spitze in die Tiefe, auf der "Power-Tempo-Rutsche" werbewirksam mit 70 Stundenkilometern. Gegenüber, im Westteil der Halle, entsteht inmitten künstlicher Felsen ein gewaltiger Wellness-Bereich mit zehn Saunen - Fertigstellung im nächsten Jahr. Optimistisch verdoppelt Tropical Islands fast die Zahl seiner Schließfächer. "Noch leben wir von den Tagesbesuchern", sagt der Marketing-Chef.Neue Kapazitäten sollen auch das ändern, nicht nur bei den Zelten in der Halle selbst. Zwölf Ferienwohnungen in der Nähe sind auf Dauer gebucht, bis zum Frühjahr entsteht ein Campingplatz mit 250 Stellplätzen. Ein ganzjährig nutzbares Hüttendorf nach dem Prinzip der Center Parks ist beschlossene Sache und soll spätestens 2009 öffnen. Nur über ein 180-Zimmer-Hotel neben der Halle hat Tanjong noch nicht entschieden. Vielleicht wäre das dann doch zu viel.------------------------------Zaubershow zum NeustartBesucher: 975 000 Besucher zählte Tropical Islands im Jahr nach der Eröffnung im Dezember 2004. Bis Oktober erwartet man in diesem Jahr 600 000 Gäste. Für einen kostendeckenden Betrieb sind aber, wie es jetzt heißt, 1,25 Millionen Besucher pro Jahr nötig. 40 Prozent der Gäste kommen aus Berlin und Brandenburg, 30 Prozent aus Sachsen.Umbau: Der Freizeitpark Tropical Islands wird bis Jahresende umgestaltet und (auch außen) erweitert. Ein Kinderbereich entsteht, 2007 öffnet das Wellnessareal. 32 Millionen Euro (17 Mio. Fördergelder, 15 Mio. vom Mutterkonzern Tanjong) stehen zur Verfügung. 23 Millionen Euro sind für den Umbau, 9 Millionen zum Ausgleich von Verlusten bestimmt.Öffnung: Bis 31.10. von 8 bis 23 Uhr, vom 1.11. bis 26.12. schließt die Anlage. In dieser Zeit gibt es täglich Führungen (5 Euro). Ab 27.12. ist die Halle wieder rund um die Uhr geöffnet. Ab 29.12. zeigt Jan Rouven täglich seine Zauber-Show.Weitere Informationen: www.my-tropical-islands.com------------------------------Foto: Hochbetrieb vor der Schließung: Die künstliche Tropenlandschaft, in der es nie regnet, lockt besonders auch in den Herbstferien viele Familien an.