Ein schwarzer Tag für Juwelier Christ im Kaufhaus des Westens (KaDeWe): Die etwa 30 mal 30 Meter große Abteilung im Erdgeschoss des Kaufhauses war gestern seit den Morgenstunden mit zwei Meter hohen Trennwänden umstellt. An den mit schwarzem Stoff bespannten Flächen hingen A4-große Zettel mit der Aufschrift "Wegen Inventur geschlossen". Darunter stand der Hinweis: "Wir sind ab dem 28.01.2009 wieder für Sie da!!!!!"Größter Einbruch überhauptHinter den blickdichten Wänden fand allerdings keine Inventur statt, sondern die Sicherung eines Tatortes: In der Nacht von Sonnabend zum Sonntag waren Einbrecher in das Gebäude an der Tauentzienstraße eingedrungen und hatten in großem Stil Uhren und Schmuck gestohlen. Es sei der größte und teuerste Einbruch im KaDeWe seit dessen Gründung vor mehr als 100 Jahren, sagten Fahnder gestern.Die Diebe kannten sich offenbar aus: Sie zerschlugen die Christ-Vitrinen und nahmen nur die wertvollen Stücke mit. "Alles, was billig ist, ließen sie liegen", sagte ein Ermittler. Nach ersten Schätzungen beträgt der Schaden mehr als eine Million Euro. Man sei noch bei der Bestandsaufnahme, hieß es in dem Juwelier-Unternehmen. Noch am Morgen schickte Christ seine Versicherungsexperten sowie seine Sachverständigen ins Kaufhaus.Der Einbruch war erst gestern Morgen gegen sechs Uhr bemerkt worden: Einem Wachmann waren die zerschlagenen Vitrinen aufgefallen. Er alarmierte die Polizei. Den ganzen Tag sicherten Kriminaltechniker Spuren der Diebe. Ersten Erkenntnissen zufolge waren sie über ein Vordach in der ersten Etage in das Haus gelangt. Von dort aus hatten sie sich abgeseilt. Rätselhaft sei, dass kein Wachmann das Splittern der Vitrinen-Scheiben gehört hat, sagen Ermittler. Im Haus patrouillieren rund um die Uhr Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma. Das gesamte Haus wird zudem videoüberwacht. Außerdem ist eine Sicherheitsanlage installiert, die bei Einbruch Alarm auslöst. Sie sei auch eingeschaltet gewesen, hieß es gestern. Ob die Videoüberwachung in der Nacht zum Sonntag intakt war, ist noch unklar. Die Firma Christ, die im KaDeWe ihren Verkaufsbereich angemietet hat, sichert ihre Ware zusätzlich.Die Ermittler des Landeskriminalamtes schließen nicht aus, dass die Einbrecher den Tatort tagelang ausspioniert haben. Es könne auch sein, dass ein ehemaliger Mitarbeiter zu den Dieben gehört. Verwunderlich ist, dass andere Anbieter von Schmuck und Uhren im Haus verschont geblieben sind, sagen Fahnder. Die Polizei ist nun auf die Hilfe von Zeugen angewiesen. Wer in der Nacht zum Sonntag verdächtige Personen am Kaufhaus beobachtet hat, wird gebeten, sich zu melden.Das KaDeWe gilt als eines der am besten geschützten Kaufhäuser Europas. "Unser Haus ist über den Standard hinaus gesichert", sagte gestern Kaufhaus-Sprecherin Isabelle Kübler. Im September vergangenen Jahres hatten Unbekannte ein Schaufenster eingeschlagen und Uhren gestohlen. Während des Umbaus 1994 ließen Einbrecher Schmuck im Wert von mehreren 100 000 Euro mitgehen. Die Täter waren auf ein Baugerüst geklettert und durch ein Fenster ins Haus gelangt. Die Alarmanlage schlug zwar an, aber den Tätern reichten wenige Minuten, um das Haus zu verlassen. Als die Polizei eintraf, waren sie weg.------------------------------Foto: Hinter den schwarzen Trennwänden suchten Polizisten gestern nach Einbruchsspuren. Am Mittwoch soll das Geschäft von Christ wieder öffnen.