ISTANBUL - Im Altertum wurden die Überbringer schlechter Nachrichten gelegentlich geköpft. Im heutigen Kleinasien geht man zivilisierter miteinander um. Als das renommierte Istanbuler Umfrageinstitut Gezici am Montag verkündete, die religiös-konservative Regierungspartei AKP würde derzeit weniger als 40 Prozent der Wählerstimmen erhalten, wurden die Forscher nicht hingerichtet. Es kamen nur am nächsten Morgen Steuerfahnder – wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der illegalen Beschäftigung.

Denn wo einst antike Tyrannen regierten, geht heute alle Gewalt vom demokratisch gewählten Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus. In drei Monaten sind Parlamentswahlen, und obwohl der Staatschef laut Verfassung parteipolitisch neutral sein sollte, ruft er fast täglich zur Wahl seiner früheren Partei auf. Mindestens 400 AKP-Abgeordnete sollen die Wähler ins 550-köpfige Parlament schicken, wünscht er sich. Mit einer solchen Zweidrittelmehrheit könnte der „große Boss“ die Verfassung ändern und seine Quasi-Alleinherrschaft auch juristisch legitimieren – mit einer neuen Präsidialverfassung „nach türkischer Art“, wie er es gern nennt.

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