Als die ersten Türken 1686 nach Berlin kamen, hatte das Osmanische Reich seinen Ruf als "Erbfeind christlichen Namens" in der Schlacht von Budapest eingebüßt. Die Zeit, da Landesfürsten und Kirchenherren ihren Untertanen mit der "Türkensteuer" eine zusätzliche Abgabe zur Verteidigung der Christenheit abverlangen konnten, war bald vorbei. Unter Friedrich II. kam das Türkische sogar in Mode, wobei der preußische Hof eindeutig die Rolle eines Trendsetters spielte. Hier erwarben sich die gleich nach ihrer Ankunft auf die Namen Friedrich Aly und Friedrich Wilhelm Hassan getauften Kriegsgefangenen als Kammertürken von Sophie Charlotte Ansehen und Wohlstand.Doch der Preußenkönig hatte natürlich mehr als ein rein folkloristisches Interesse an den Türken. Sein zunächst gescheiterter Versuch, das Osmanische Reich im Siebenjährigen Krieg als Verbündeten gegen Österreich und Rußland zu gewinnen, bildet den Auftakt einer langen, von wirtschaftlichen und bündnispolitischen Interesse geprägten Geschichte der deutsch-türkischen Beziehungen. Die Ausstellung "Friedrich Wilhelm Hassan & Co." versucht die aktuelle Diskussion um das Zusammenleben von Türken und Deutschen aus der Perspektive dieser für viele unerwartet langen türkisch-deutschen Geschichte zu beleuchten und Gemeinsamkeiten und Unterschiede ins Bild zu setzen.Unter den 300 Objekten befinden sich eine in Berlin gefundene Zukkermaske von Atatürk und der Zylinder des nach 1933 in die Türkei emigrierten Altphilologen Georg Rohde. Doch wie der Titel schon andeutet, geht es den Ausstellungsmachern in erster Linie um Lebensgeschichten von Menschen, die repräsentativ für eine bestimmte Zeit sind. Die Gesandten Achmet Asmil Efendi und Ali Aziz Efendi, deren exotisches Gehabe Ende des 18. Jahrhunderts auch unter den kleinen Bürgern der Stadt viele Nachahmer fand, fehlen genausowenig wie der Schuhmachermeister Achmet Talib, der während des Ersten Weltkrieges mit einem Austauschprogramm für Schüler und Lehrlinge nach Berlin kam. Dieses zu Zeiten der "Waffenbrüderschaft" ausgehandelte Abkommen kann als Vorläufer des Anwerbeabkommens von 1961 gelten. Am Ende der Ausstellung betreten die Besucher den roten Teppich, mit dem die ersten türkischen Gastarbeiter damals am Flughafen begrüßt wurden.Friedrich Wilhelm Hassan & Co ab Sonnabend bis 31. 1. 99 in der Galerie im Körnerpark (Schierker Str. 8, Di So 11 17 Uhr ).