Türkische Blauhelme

Aus gutem Grund galt für die UNO bislang das Prinzip, bei Blauhelmeinsätzen in Krisengebieten auf Soldaten aus Nachbarländern zu verzichten. Man wollte ein Maximum an Unparteilichkeit gewährleisten und möglichem Mißbrauch von Friedensmissionen für Regionalinteressen vorbeugen.Dieses Prinzip wurde jetzt mit der Zustimmung des Sicherheitsrates zum Einsatz von türkischen Kontingenten in Bosnien erstmalig gebrochen. Die Not stand dabei Pate. Wenn die wackligen Waffenstillstände in Sarajevo und Mittelbosnien eine Chance haben sollen, muß die UNO ihre Truppe dort um gut 11 000 Mann verstärken. Doch nur 4 500 bekommt sie. Mehr sind nicht zu haben.Außer in der Türkei. Seit Monaten drängt sich die türkische Regierung geradezu danach, Soldaten nach Bosnien zu entsenden. Jetzt hat die UNO zugegriffen, und in Ankara herrscht freude darüber. Aber Not ist kein guter Ratgeber. Türkische Einheiten könnten, statt die Waffenruhe zu konsolidieren, destabilisierend wirken.Fast ein halbes Jahrtausend türkischer Fremdherrschaft hinterließ auf dem Balkan tiefes Mißtrauen gegen alles, was vom Bosporus kommt. Auch den besten Willen der Türkei vorausgesetzt, belastet das ihren Einsatz in Bosnien wohl ähnlich, wie Deutschlands Vergangenheit die Anwesenheit deutscher UNO-Soldaten belasten würde. Hinzu kommt, daß die moslemische Türkei leicht in den Verdacht der Parteilichkeit und des Strebens nach regionalem Einfluß geraten kann.Die radikalen Serben waren denn auch fix zur Stelle, das Mißtrauen gegenüber der Türkei auszunutzen. Sie heizen an. Dabei geht es doch jetzt darum, auch die Serben in den Waffenstillstand einzubeziehen.Die Wurzel der unnötigen Komplikationen liegt freilich bei den westlichen Industriemächten. Sie verlangen von der UND, Frieden zu schaffen. Aber die Soldaten, die sie dazu braucht, enthalten sie ihr vor.