Berlin - Eine Fußgängerin winkt vom Bürgersteig, die Männer auf dem Bierbike schauen scheel herüber und die Polizeibeamten an der Britischen Botschaft überlegen laut, ob sie ihren künftigen Einsatzwagen vor sich haben: Seit Monatsbeginn fahren fünf schneeweiße Tuk Tuks mit flatternden Planen durch die Stadt.

Es handelt sich jedoch nicht um jene dreirädrigen Fahrzeuge, die in Ländern wie Thailand und Indien zum Straßenbild gehören und deren knatternde Zwei-Takt-Motoren den Auto-Rikschas ihren Namen gaben. Die Tuk Tuks von Adam Rice und Wolfgang Knoerr sind nahezu geräuschlos, denn sie werden mit Elektromotoren betrieben.

„Ich war vor einem Jahr in Mumbai und hatte Angst, mein Flugzeug zu verpassen, denn die Straßen waren total dicht“, erzählt der 38-jährige Amerikaner Rice. „Dann bin ich in ein Tuk Tuk gestiegen, und der Fahrer hat sich unglaublich schnell durch den Verkehr geschlängelt.“

Die ersten Elektro-Tuk Tuks der Welt

Und so kam Rice auf die Idee, dass die nur anderthalb Meter breiten Rikschas auch in Berlin den Straßenverkehr entlasten könnten. Allerdings auf die umweltfreundliche Tour: als eTuk Tuk. Rice spricht von „nachhaltigem Tourismus“ und zeigt auf die Reisebusse, die am Holocaust-Mahnmal stehen. „Die verstopfen und verschmutzen unsere Innenstädte“, sagt er.

In Amsterdam fand Rice dann auch ein paar Ingenieure, die Tuk Tuks mit Elektromotoren entwickeln. Er sicherte sich mit seiner neu gegründeten Gesellschaft die exklusiven Vertriebsrechte für Deutschland und kaufte die ersten Modelle, die sozusagen vom Band gingen: Je nach Ausführung betrugen die Kosten zwischen 15.000 und 17.000 Euro.

Die größeren Modelle bieten auf den beiden gegenüberliegenden Sitzbänken Platz für sechs, die kleineren für drei Personen. Darunter befindet sich der Motor nebst der 300 Kilogramm schweren Batterie. Sie liefert Strom für 85 Kilometer und wird über Nacht an der Steckdose wieder aufgeladen. „Wir haben die ersten Elektro-Tuk Tuks der Welt“, sagt Rice.

Fahrerlaubnis nur mit Führerschein

Gleich zum Start seines Business buchte die Fashion Week die Tuk Tuks für einen Shuttleservice. Und da der aus Florida stammende Rice auch Marketing-Experte ist, vermietete er seine Motor-Rikschas noch als Werbefläche für eine Jeansfirma dazu. Kunden können die Tuk Tuks für eine Stadtrundfahrt mit Führer für 30 Euro die Stunde mieten.

Allerdings brauchen sie dazu einen Führerschein der Klasse B. Sie müssen sich nämlich selbst hinter das dreieckige Lenkrad setzen, da das Personenbeförderungsgesetz den Transport in Fahrzeugen mit drei Rädern zu gewerblichen Zwecken verbietet.

Der Amerikaner findet das absurd, schließlich seien auch Velotaxis in Berlin zugelassen. „Der Senat will E-Mobility eigentlich fördern, das ist doch ein heißes Thema in Berlin“, sagt Adam Rice, den es vor sechs Jahren hierher verschlug. Jetzt hofft er auf eine Ausnahmegenehmigung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, doch die lässt auf sich warten.

Mit 50 Stundenkilometern durch die Stadt

Rice sagt, es wäre sicherer, wenn seine Fahrer die Tuk Tuks steuern würden, denn Rikscha fahren ist zwar nicht schwer, aber doch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Gänge gibt es nicht, nur einen Schalter, um vorwärts oder rückwärts zu fahren.

Sobald man am Lenkrad Gas gibt, kommt das Tuk Tuk schnell auf Touren und erreicht in Windeseile die Maximalgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Dann heißt es: Vorsicht Fußgänger. Die hören den leisen Motor oft nicht und müssen gelegentlich per Zuruf gewarnt werden, die Straße zu überqueren.

Anfang nächsten Jahres will Rice 15 weitere Tuk Tuks für Berlin kaufen, Anfragen habe er außerdem aus Hamburg, Köln, von den Kanarischen Inseln. Und auch der maltesische Verkehrsminister habe sich gemeldet. Der geschäftstüchtige Amerikaner will seine Rikschas nicht nur vermieten, sondern auch verkaufen – zum Beispiel an Taxiunternehmen. Auch dazu bedarf es der Genehmigung der Stadtentwicklungsbehörde. Wenn die sich weiter ziere, sagt er, ziehe er sein Business in einer anderen Stadt auf. Rice: „Interessenten gibt es genug.“





Die Tuk Tuks haben ihren Standort beim Hi-Flyer an der Zimmer- /Ecke Wilhelmstraße in Mitte. Sie können auch reserviert werden unter Tel. 030/51 00 51 65.

Im Internet unter [[http://www.etuktuk.com/|www.etuktuk.com]]

Berliner Zeitung, 27.07.2011