Fotos in Bewerbungen sind eine heikle Sache. Wer nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, befürchtet manchmal Benachteiligungen - ganz gleich, ob Mann oder Frau. Vollkommen verkehrt liegen diese Skeptiker nicht. Denn nicht umsonst ist es in Ländern mit einem hohen Anteil an Minderheiten wie den USA oder Großbritannien verpönt, der Bewerbung ein Foto beizufügen. Arbeitgeber, die darauf bestehen, schon vor einem Vorstellungsgespräch den Bewerber zu sehen, machen sich in diesen Ländern der Diskriminierung verdächtig. Seitdem hier zu Lande vor zwei Jahren das Antidiskriminierungsgesetz (AGG) eingeführt wurde, diskutieren Personalexperten darüber, ob Bewerber noch ein Bild von sich ihren Unterlagen beifügen sollen. Die Experten sind sich uneins, empfehlen aber Zweiflern, ein Foto mitzuschicken. Nur gut sollte es auf jeden Fall sein.Sörge Drosten von der Unternehmensberatung Kienbaum berichtet im E-Magazin der Zeitarbeitsfirma Randstad, dass nach seiner Erfahrung in den Bewerbungen weiterhin Fotos beiliegen. Er plädiert nach wie vor für ein gutes Bild vom Bewerber, weil es stets ein Blickfang sei. Außerdem gebe es auch manche Position, bei der ein sympathisches Äußeres wichtig sei, etwa im Vertrieb oder in repräsentativen Bereichen. Drosten sagt zwar, dass es nur selten dadurch zu einer Diskriminierung von Bewerbern käme, gleichzeitig berichtet er aber von einer Bevorzugung eines bestimmten Menschenschlages. "Wir wissen aus Erhebungen, dass große, schlanke, attraktive Menschen lieber genommen werden als kleine, dicke", sagt Drosten. "Jedoch befürchte ich, daran wird das AGG nichts ändern".Dagegen hat Klaus Michael Alenfelder, ständiger Vertreter des EU Anti-Diskriminierungsrates in Deutschland, andere Beobachtungen gemacht. Er berichtet im E-Magazin, dass es in Deutschland massive Diskriminierungen von vor allem Älteren, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund gebe. Deshalb plädiert er für eine "Versachlichung der Bewerbung". Zählen sollte nicht wie jemand aussieht, sondern was der Bewerber leisten soll und was er können muss. Er sei überzeugt, dass sich diese Haltung durchsetze. "Dann stirbt das Bewerbungsfoto", vermutet er. Doch so weit sind die Personalabteilungen noch nicht. Auch Alenfelder empfiehlt Bewerbern die Unterlagen mit Foto zu verschicken. "Das erwarten die Personalchefs".Seit dem AGG sind die Unternehmen jedoch vorsichtig, betonen zumeist, dass kein Bild verlangt würde, und dass es keine Nachteile gebe, wenn ein Foto fehle. Doch selbst moderne Unternehmen, die Wert darauf legen, nur noch Unterlagen per E-Mail zu bekommen, lassen das Hochladen von Bilddateien in der Regel zu. Davon sollten Bewerber auch gebrauch machen. Aber die Datei darf nicht so groß sein, dass sie den Posteingang im Personalbüro verstopft. Dadurch würde der Einzelne nur beweisen, dass er nicht allzu gut mit dem PC umgehen kann.Wichtig ist, dass das Foto professionell wirkt. Dafür sollte man zu einem Studio gehen, auch wenn es teuer ist und mit Bildern aus dem Automaten lieber nur Freunde oder Familie erfreuen. Für die Gestaltung des Fotos gilt was für die gesamten Unterlagen zutrifft: Mit einer konservativen Gestaltung ist man meist auf der sicheren Seite. Andreas Balder von Randstad rät zu "Hausmannskost statt Kreation". Nur in Ausnahmebranchen kann es erlaubt sein, sich im Bild besonders zu inszenieren. Allen anderen rät der Personalexperte Claus Peter Müller-Thurau von Requisiten, wie etwa einem Telefonhörer am Ohr ab. Schnappschüsse aus dem Urlaub oder mit dem Hund gehörten ebenfalls in ein privates Fotoalbum und lösten bei Personalern höchstens Heiterkeit aus. Wer nur solche Bilder anzubieten hat, sollte dann doch lieber auf ein Bewerbungsfoto verzichten.------------------------------PERFEKTE MAPPEPräsentation: Das Foto ist nur ein Gestaltungselement der Bewerbungsmappe. Deren Präsentation sollte unabhängig von dem Bild stets perfekt sein. Keine Deskussion gibt es darüber, dass Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse in jedem Fall zu den Unterlagen gehören.