Neubesetzungen an der Spitze des Berliner Innensenats werden in den Hauptquartieren einiger ausländischer Geheimdienste mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Schließlich besitzt der Innensenator die Dienstaufsicht über das Landesamt für Verfassungsschutz, das dem Treiben der Agenten aus Ost und West Einhalt gebieten soll.Beim Moskauer Geheimdienst wird man dieser Tage deshalb wohl eine besonders interessante Akte aus dem Archiv geholt haben. Sie betrifft den Bonner Ex-Staatssekretär und früheren Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Eckart Werthebach, der seine Beamtenkarriere nun an der Spree als Innensenator beenden soll. Ironie der Geschichte: Vor acht Jahren hatte Werthebach schon einmal in Berlin gewirkt und war hier dem russischen Geheimdienst erstmals nachhaltig ins Visier geraten.Im Frühjahr 1990 hatte der damalige Bonner Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble seinen karrierebewußten Ministerialrat als "Berater" von DDR-Innenminister Diestel nach Ost-Berlin entsandt. Werthebach sollte die Stasi-Auflösung unter Kontrolle nehmen und brisante Dokumente über Bonner Politiker aus MfS- und KGB-Archiven sicherstellen. Dazu nahm Werthebach Einfluß auf die Zusammensetzung des staatlichen Stasi-Auflösungskomitees, knüpfte Verbindungen mit hochrangigen MfS- und KGB-Offizieren und sorgte im Verein mit Diestel dafür, daß dem Bürgerkomitee alle Kontrollmöglichkeiten entzogen wurden. Einer der engsten Partner Werthebachs in jener Zeit war Stasi-Generalmajor Edgar Braun, der für ihn die Verbindungen zu der verhandlungsbereiten Stasi-Führung herstellte. Gleichzeitig stand Braun einer Sondergruppe im staatlichen MfS-Auflösungskomitee vor, die Akten über bundesdeutsche Politiker und Wirtschaftsgrößen aus dem Stasi-Archiv barg und an das Kölner BfV übergab. Braun vermittelte Werthebach aber auch den Kontakt zur KGB-Residentur in Berlin-Karlshorst, wo der "Berater" im Auftrag Schäubles die Bedingungen für eine Übergabe ausgelagerter Stasi-Akten eruieren sollte. Bei dieser Gelegenheit lernte Werthebach den Vizechef der KGB-Residentur, General Wladimir Lissin, kennen. Eine dubiose Liaison entspann sich zwischen den beiden, die auch noch anhielt, als Eckart Werthebach 1991 den Chefsessel im BfV übernahm. Doch die vermeintliche Top-Quelle entpuppte sich später als "Nachrichtenspiel" des KGB, auf das Werthebach blindlings hereingefallen war. Eine Panne, die seine Geheimdienstkarriere 1995 beendete wohl auch, weil deutsche Abwehrexperten fürchten mußten, daß sich in der Moskauer Akte über Werthebach noch weitere Details aus seinen Kungeleien mit Stasi- und KGB-Offizieren finden.