Was für ein Bild: Übergewichtige Soldaten, die aus ihren Uniformen platzen, keuchen über die Kasernenflure. Wer soll da noch für Sicherheit und Ordnung sorgen – zwischen Hiddensee und Hindukusch? „Dicke Soldaten willkommen“ oder „Auch Moppel sollen dienen dürfen“ spotten die Medien. Was ist passiert? Ursula von der Leyen hat ein Interview gegeben. Darin steht der Satz: „Es stellt sich die Frage, ob jeder einzelne Soldat und jede einzelne Soldatin, gleich welche Aufgabe sie im Riesenkonzern Bundeswehr ausfüllt, tatsächlich einen langen Marsch mit schwerem Gepäck bewältigen können muss.“

Aber hat die Bundeswehr wirklich ein Moppel-Defizit? 2008 behauptete der damalige Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, mehr als 40 Prozent der Soldaten seien übergewichtig – fünf Prozentpunkte mehr als in der zivilen Vergleichsgruppe einer Untersuchung der Kölner Sporthochschule und des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Über ein Viertel der befragten Soldaten gestand ein, nie oder nur selten Sport zu betreiben.

Von der Leyens Vorgänger haben etwas gegen die Misere getan. Seit 2010 gibt es den Basis-Fitness-Test. Dazu gehört jener Gepäckmarsch, den die heutige Ministerin im Gespräch mit der Rheinischen Post infrage stellte. 2011 gab es mit der Abschaffung der Wehrpflicht einen noch wichtigeren Einschnitt in der deutschen Militärgeschichte. Seitdem konkurriert die Bundeswehr um Computerspezialisten mit Unternehmen, die einen Nerd einen Nerd sein lassen und ihn nicht mit Tornister über die Heide jagen.

Von der Leyen will aus der Truppe einen der attraktivsten Arbeitgeber des Landes machen. Deshalb soll es irgendwann auch mehr Bundeswehr-Kinderkrippen geben. Aber die haben inzwischen viele Großunternehmen. Was wäre ein Alleinstellungsmerkmal? Es soll ja schöpferische Denker geben, die zur Anregung Substanzen rauchen, die hierzulande legal kaum zu erwerben sind. Wie wär’s mit einem Coffee-Shop in der Kaserne? Dick wird man davon übrigens nicht.

Aber im Ernst: Es ließe sich auch andersherum ein Attraktivitätsprogramm planen. So wie man bei der Bundeswehr den Führerschein machen oder Medizin studieren kann: Wir dienen Ihnen mit dem Goldenen Sportabzeichen. Langsam wegtreten!