Von März 1979 bis November 1984 wurden in Berlin nach einer Statistik des Innensenators 281 Häuser besetzt, davon 143 in Kreuzberg. Insgesamt wurden 90 Besetzungen durch die Polizei verhindert, 70 Häuser wurden polizeilich geräumt, 44 freiwillig verlassen.

77 Häuser wurden durch Mietverträge oder Kauf legalisiert - wiederum die meisten in Kreuzberg. 5402 Menschen wurden von der Polizei als Hausbesetzer registriert, davon waren zwei Drittel Männer. Die meisten Besetzer waren zwischen 21 und 25 Jahren und Studenten oder Schüler.

Eine wichtige Rolle in der Legalisierung der Häuser durch Miet- oder Kaufverträge spielten die alternativen Sanierungsträger wie S.T.E.R.N. oder Stattbau und der damalige AL-Baustadtrat Kreuzbergs, Werner Orlowsky. Sie befürworteten die Politik der behutsamen Stadterneuerung, die die Wohnungsbaupolitik der 70er Jahre ersetzen sollte.

In dieser Zeit waren viele alte Häuser dem Flächenabriß und Neubau zum Opfer gefallen, verbunden mit Spekulation privater Immobiliengesellschaften. Die neue Sanierungspolitik - angeschoben durch die Internationale Bauausstellung - setzte auf die Mitwirkung der Bewohner.

Diese sollten nicht durch Luxusmodernisierungen und hohe Mieten belastet werden, sondern selbst über die nötigen Instandsetzungsarbeiten entscheiden. Viele der ehemaligen besetzten Häuser sind in Selbsthilfe ausgebaut worden - d.h. die Bewohner mußten eine bestimmte Anzahl an Arbeitsstunden erbringen.

Ein kompliziertes Verfahren auch deshalb, weil die Besetzer ihre Vorstellungen vom Umbau oftmals gegen die geltenden Förderrichtlinien durchsetzen wollten. Zähe Verhandlungen - teilweise über Jahre - waren nötig, um Aggressionen und Mißtrauen zu überwinden und praktikable Lösungen zu finden. Ihre Ziele konnten die Besetzer in den meisten Fällen durchsetzen - bezahlbare Mieten und die Möglichkeit, als Hausgemeinschaft zusammenzubleiben. (BLZ)