Ukraine: Klitschkos Plan und die Villa in Hamburg

Wenn der Präsident der Ukraine am nächsten Sonntag gewählt würde, könnte er Vitali Klitschko heißen. Die Demoskopen sehen den amtierenden Weltmeister im Superschwergewicht vor Amtsinhaber Viktor Janukowitsch. Die Abstimmung ist jedoch erst in zwei Jahren. Trotzdem schmiedet das Regierungslager bereits Pläne, einen Sieg Klitschkos zu verhindern.

Janukowitschs Mannschaft habe schon eine detaillierte Argumentation ausgearbeitet, wie eine Kandidatur Klitschkos per Gerichtsentscheid ausgeschlossen werden könnte, schrieb die Zeitung Ukrainska Prawda. Der Schwergewichtsboxer hatte seine Ambitionen auf das höchste Staatsamt vor gut einem Monat öffentlich gemacht.

Gefahr aus Deutschland

Das ukrainische Wahlgesetz und Deutschland könnten Klitschkos Projekt scheitern lassen. Das Gesetz schreibt vor, dass die Präsidentschafts-Kandidaten in den letzten zehn Jahren in der Ukraine gelebt haben müssen. Wo aber ist Vitali Klitschko zu Hause? Er besitze auch eine Eigentumswohnung dort, machen seine Freunde von der Partei Udar geltend. Kiew sei keineswegs sein ständiger Wohnsitz, lautet das Hauptargument der Gegenseite.

Ausgerechnet sein enges Verhältnis zu Deutschland kann Klitschko zum Verhängnis werden. Und der Boxer selbst lenkte die Aufmerksamkeit darauf. Die BBC hatte vor einiger Zeit ein Interview über seine politischen Pläne mit ihm geführt. Auf eine Frage hatte Klitschko freimütig geantwortet: „Ja, ich lebe seit fast 13 Jahren in Deutschland.“

Um seinem Hauptberuf nachgehen zu können, besitzt Klitschko hier eine offizielle Arbeitserlaubnis. Die erhält als Bürger eines Nicht-EU-Landes nur, wer seinen Hauptwohnsitz in Deutschland hat. Der Boxer soll eine Villa im Hamburger Stadtteil Othmarschen sein eigen nennen. Auch seine Firma Klitschko Management Group GmbH ist im Handelsregister der Hansestadt registriert. Nicht unwichtig: Klitschko ist nicht in der Ukraine, sondern in Deutschland steuerpflichtig.

Eine berufliche Tätigkeit im Ausland sei kein Grund, Klitschko seiner Bürgerrechte zu berauben, heißt es in einer Erklärung der Udar-Partei. Schließlich disqualifiziere man ja auch andere nicht, die ihrem Gewerbe im Ausland nachgingen, wie beispielsweise Diplomaten oder Geschäftsleute. Das Gesetz sagt zudem, ständig in der Ukraine lebe, wer mehr als sechs Monate jährlich im Land verbringe. Die Ukrainska Prawda will herausgefunden haben, dass das Büro von Vizepremier Sergej Arbusow bei der Grenzpolizei eine Liste aller Ein- und Ausreisen Klitschkos angefordert haben soll.

Es wäre ein schwerer Fehler, würde das Regierungslager mit juristischen Spitzfindigkeiten versuchen, Klitschko aus dem Rennen zu werfen, meint der frühere Vizepremier Oleh Rybatschuk im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Ein Angriff der Partei der Macht würde ihn nur noch beliebter machen.

Die Popularität von Präsident Janukowitsch befinde sich dagegen im Sinkflug. Davon profitierten jedoch nicht die ehemaligen Aktivisten der Revolution in Orange. „Die Leute haben die Kämpfe zwischen Orange und Blau satt“, meint Rybatschuk. Klitschko sei ein Mann ohne politische Geschichte und auch schlau genug, sich programmatisch nicht festzulegen. „Klitschko ist für alles Gute und gegen alles Schlechte“, sagt Rybatschuk. Das reiche derzeit, um in den Umfragen in Führung zu gehen.