Ukraine-Krise: Donezker Zentrum unter Granathagel

Donezk - Die ukrainische Armee setzt die Separatisten im Osten des Landes offenbar immer stärker unter Druck. Donezk, eine der beiden Hochburgen der prorussischen Milizen, lag am Donnerstag unter heftigem Artilleriebeschuss. Granaten schlugen in unmittelbarer Nähe des Zentrums und in der Gebietsverwaltung ein, einige Außenbezirke sollen unter Kontrolle der regulären Truppen Kiews sein.

Die Regionalverwaltung teilte mit, in der Region Donezk seien in den vergangenen Tagen 74 Zivilisten getötet und 116 weitere verletzt worden.

In Lugansk, der zweiten von den Rebellen kontrollierten Gebietsstadt, trat der örtliche Rebellenführer Waleri Bolotow zurück. Als Grund gab er eine Schussverletzung an. In Donezk trat am gleichen Tag Militärchef Igor Girkin alias Strelkow zurück. Vor einer Woche hatte bereits der Donezker Separatistenführer Alexander Borodai sein Amt aufgegeben.

Nach Lugansk ist seit Tagen ein Konvoi von 280 Lastwagen mit russischen Hilfsgütern unterwegs. Er kam am Donnerstag in Kamensk-Schachtinski, 25 Kilometer von der Grenze zur Ukraine zum Stehen, berichtete der Korrespondent der russischen Zeitung Nowoje Wremja. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Lastwagen dort bis zum Sonntag verharren, wird ein Mitarbeiter des russischen Katastrophenministeriums zitiert, unter dessen Ägide der umstrittene Transport durchgeführt wird. Am Tag zuvor war er noch an einer von ukrainischen Truppen kontrollierten Grenzstation erwartet worden.

In der Nähe sollen sich rund 30 russische Militärfahrzeuge befinden. Der Grenzabschnitt wird von den Separatisten kontrolliert. Die ukrainische Führung hatte zuvor gedroht, sie werde einen von ihr nicht gestatteten Grenzübertritt mit allen Mitteln unterbinden. Kiew verlangt eine detaillierte Kontrolle der Ladung und ihre Überstellung an das Rote Kreuz. Die ukrainische Regierung brachte unterdessen einen eigenen Konvoi mit Hilfsgütern auf den Weg.

Der russische Präsident Wladimir Putin forderte erneut ein Ende der Gefechte. „Das Land ist in blutigem Chaos versunken, in einem mörderischen Bruderkrieg“, sagte er auf der im Frühjahr annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim. Russland werde alles dafür tun, die Kämpfe so schnell wie möglich zu beenden. Zugleich versicherte der russische Präsident, der Streit mit dem Westen bedeute nicht das Kappen aller Verbindungen.

Das ukrainische Parlament machte am Donnerstag den Weg für Wirtschaftssanktionen gegen Russland frei. Auf der Liste stehen 65 mehrheitlich russische Unternehmen und 172 Personen, denen Kiew vorwirft, die Separatisten im Osten zu unterstützen. (BLZ)