Michail Chodorkowski wollte ganz offensichtlich so schnell wie möglich Russland verlassen und zu seiner Mutter nach Deutschland fliegen, die er in Berlin vermutete. Doch woher bekommt man auf die Schnelle ein Flugzeug? Der ehemalige Außenminister Hanns-Dietrich Genscher, der maßgeblich an der schnellen Ausreise des Kremlkritikers beteiligt war, musste in dieser Sache nicht lange nachdenken. Er rief bei Ulrich Bettermann an. Dieser nennt Genscher einen "guten Freund“.

Ulrich Bettermann, Jahrgang 1946, ist nicht nur Unternehmer – seine Firma OBO Bettermann mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Euro produziert im sauerländischen Menden Kleinteile für Elektroinstallationen – er ist auch ein leidenschaftlicher Flieger mit Jet-Pilotenlizenz und einer kleinen Flugzeugflotte. „Beinahe täglich“, so ist auf der Firmen-Website zu lesen, steige er ins Cockpit. Die Wirtschaftswoche bezeichnete ihn einst als Zampano des Sauerlandes.

Bettermann kam der Bitte Genschers natürlich prompt nach und schickte eine seiner Maschinen nach St. Petersburg. Am liebsten wäre er selbst geflogen, beteuerte Bettermann am Freitagnachmittag. Doch war er gerade in Ungarn unterwegs, als Michail Chodorkowski nach Berlin gereist ist. „Ich bin Putin, den ich vom Weltwirtschaftsforum in Davos kenne, dankbar für diese humanitäre Maßnahme“, sagte Bettermann zur Freilassung Chodorkowskis.

Bühnenmann Bettermann

Den Kreml-Kritiker höchstpersönlich abholen – das wäre ein Auftritt ganz nach seinem Geschmack gewesen. Seit Jahren versucht Bettermann berühmt zu werden. Er umgibt sich gerne mit den Großen der Politik. Typisch für ihn ist ein Schlüsselerlebnis mit Genscher. Das war während des ersten Golfkriegs in den 80er-Jahren. Genscher versuchte auch damals zu vermitteln. Als der Außenminister mit einer Wirtschaftsdelegation in Saudi-Arabien war, ergab sich die Gelegenheit für ein Gespräch mit dem irakischen Machthaber Saddam Hussein. Genscher flog nach Bagdad.

Der einzige aus der Wirtschaftsdelegation, der sich traute, ihn nach Bagdad zu begleiten, war: natürlich Ulrich Bettermann – nachzulesen ist die Anekdote in allen Details ebenfalls auf der Website. Dabei wird nicht versäumt zu erwähnen, dass das Hotel, in dem der Außenminister und er selber wohnten, mit Scud-Raketen beschossen wurde.

1993 holte der Geschäftsmann für eine Gage von umgerechnet rund 270 000 Euro gleich drei Größen der Weltpolitik für eine Veranstaltung ins Sauerland: Henry Kissinger, Michail Gorbatschow und natürlich auch Genscher. Die OBO-Website präsentiert weitere Begegnungen mit Prominenten: Bettermann mit Horst Köhler, Bettermann mit Frank-Walter Steinmeier, Bettermann mit Franz-Josef Strauß.

Der Sauerländer hat längst einen Schweizer Pass, und er ist auch einer der Gründer der berühmten Veranstaltungsreihe mit Managern und Politikern in den Graubündener Bergen. In Davos beispielsweise traf er im Jahr 2011 erst zu einem Meeting mit Eon-Chef Johannes Teyssen zusammen. Danach frühstücken mit dem damaligen Deutsche Bank-Boss Josef Ackermann. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es schon sehr bald auch Bilder von Ulrich Bettermann an Michail Chodorkowskis Seite geben wird.