Ulrike von Möllendorfs Abgang und der Ärger bei der Abendschau: "Da muß ich mich fügen"

Die Moderatoren der SFB-Abendschau sorgen in diesen Tagen für Gesprächsstoff. Kürzlich hatte Friedrich Moll schriftlich bei SFB-Fernsehdirektor Horst Schättle um seine Ablösung gebeten und den Brief erst nach längeren Gesprächen wieder zurückgezogen. Dann war Ende der vergangenen Woche bekanntgeworden, daß Molls Kollegin Ulrike von Möllendorf durch Cathrin Böhme, die bisher die Spät-Abendschau moderiert, ersetzt werden soll.Ulrike von Möllendorf kam Anfang 1991 ebenso wie Friedrich Moll zur Sendung. Zuvor hatte sie 17 Jahre beim ZDF gearbeitet. Ihr Vertrag als freie Mitarbeiterin des SFB läuft Ende Januar 1997 aus und wird nicht mehr verlängert. Der SFB wolle "andere Leute auf dem Bildschirm haben", sagte Ulrike von Möllendorf gestern. "Da muß ich mich fügen. Es freut mich nicht gerade."Ulrike von Möllendorf will zwar nicht den Eindruck erwecken, daß "ich den Laden verlasse und nun mal richtig den Mund aufmache", dennoch ist ihr die Enttäuschung über den Abgang deutlich anzumerken. Es sei eine "unerfreuliche Geschichte" gewesen, wie der Moderatorenwechsel im Haus behandelt wurde. Es sei in der Redaktion nie offiziell bekanntgegeben worden, daß sie gehen werde. Vielmehr hätte es "etwas hämische Reaktionen" gegeben. "Das ist hier der Umgangston", sagte Ulrike von Möllendorf. Schuld daran sei vor allem Abendschau-Chef Harald Prokosch, dem sie "mangelnde Führungsqualitäten" vorwirft. "Dinge werden in der Redaktion nur über Briefe mitgeteilt. Prokosch kann einfach nicht mit mir reden".Auch in der Affäre um Friedrich Moll hat Harald Prokosch eine Rolle gespielt. Wegen dessen Führungsstil hatte Moll um seine Absetzung gebeten. Angeblich hatte Prokosch Mitarbeiter beauftragt, ihm zu berichten, ob Moll bei seiner Moderation immer einen Ohrhörer für die Regieanweisungen trägt oder nicht. Moll fühlte sich bespitzelt und wollte hinwerfen. Wirbel um Prokosch gab es bereits anläßlich seiner Berufung im Frühjahr 1994. Der Redakteursausschuß des SFB stellte damals die fachliche und persönliche Eignung des neuen Mannes in Frage: Schon bei seiner Tätigkeit bei n-tv habe Prokosch "große Schwierigkeiten im Umgang" mit Mitarbeitern gehabt.Harald Prokosch selbst hat eine andere Sicht auf die Dinge. "Frau von Möllendorf hat vor gut einem Jahr gegenüber dem Fernsehdirektor selbst gesagt, daß sie aufhören möchte. Wir entsprechen jetzt nur ihrem ursprünglichen Wunsch." Prokosch räumt ein, daß Ulrike von Möllendorf "möglicherweise einen Sinneswandel durchgemacht" habe und sich jetzt "etwas abgeschoben" fühle. Es sei aber nicht richtig, daß es keine Gespräche zwischen ihm und ihr gegeben habe.Zu seinem kritisierten Führungsstil sagt Prokosch, daß die Leitung dieser Redaktion noch nie eine konfliktfreie war. Man dürfe das nicht personifizieren. "Ich finde mich in Auseinandersetzungen wieder, mit denen schon meine Vorgänger zu tun hatten." +++