Bauch, Beine, Po - jeder kennt die Problemzonen, an denen sich trotz Sport und gesunder Kost hartnäckige Pölsterchen halten. Ein neues Verfahren verspricht nun schnelle und schmerzfreie Abhilfe für die unschönen Körperpartien: Hochfrequenter Ultraschall soll ungeliebten Schwimmreifen endgültig ein Ende bereiten.In Deutschland wird die vermeintlich harmlose Methode seit eineinhalb Jahren vereinzelt eingesetzt - jetzt bietet erstmals auch die private Potsdamer Schönheitsklinik Sanssouci die neue Ultraschalltechnologie an. Momentan sind fünf Gerätetypen auf dem Markt. In der Potsdamer Klinik soll das Liposonix-System angewendet werden.Als Ultraschall werden Schwingungen mit Frequenzen von mehr als zwanzig Kilohertz bezeichnet. Für Menschen ist diese Art Schall nicht hörbar. Sie gilt als gesundheitlich unbedenklich und ist in der Medizin seit Jahren fest etabliert. Beispiel Sonografie: Mithilfe von Ultraschallwellen lassen sich schnell und kostengünstig bestimmte Körperregionen oder innere Organe bildlich darstellen. Gynäkologen beobachten so das Wachstum des ungeborenen Kindes im Mutterleib.Doch Ultraschall ist mehr als reine Diagnostik. Mit den kurz fokussierten Impulsen können auch Nierensteine zertrümmert werden. Und Zahntechniker befreien damit Prothesen von hartnäckigem Zahnstein. Seit 2003 hält die Ultraschall-Technologie auch Einzug in die Schönheitschirurgie. Die Stoßwellen sollen, so sagen die Verfechter der neuen Methode, Fettzellen den Garaus machen - und das einfacher und gewebeschonender als beispielsweise das Fettabsaugen oder die Fett-Weg-Spritze."Anders als beim Fettabsaugen ist keine Operation nötig, die Patienten müssen nicht stationär aufgenommen werden", sagt Michael Krueger, der ärztliche Leiter der Sanssouci-Klinik. "Sie können noch am Behandlungstag wieder ihrer Arbeit oder ihren Hobbys nachgehen." Geeignet ist die rein kosmetische Methode nach Auskunft des Schönheitschirurgen vor allem für eine bestimmte Gruppe: Für Frauen mit Konfektionsgröße zwischen 38 und 42, die kein Mieder tragen und die nicht abnehmen wollten, weil sie sonst auch am Busen oder im Gesicht Substanz einbüßen würden.Und so funktioniert das neue Gerät: Über einen Schallkopf wird der Ultraschall über die Bauchhaut geleitet. Unter der Haut richtet sich der energiereich gebündelte Schall direkt auf das Fettgewebe, die Zellen gehen zugrunde. "Fettzellen werden dauerhaft zerstört, Haut, Nerven und Organe aber bleiben unangetastet", versichert der Chirurg Krueger.Nach der Behandlung setzt der normale Wundheilungsprozess des Körpers ein: Das gelöste Fett wird über das Lymphsystem abtransportiert und der Leber als Energie angeboten. Verzichtet der Patient während der ersten Tage nach der Behandlung auf Zucker, kann das Fett abgebaut werden. Andernfalls lagert der Körper das verflüssigte Fett an anderer Stelle wieder ein. Erste Erfolge seien frühestens nach zwei Monaten zu erwarten, sagt Krueger: "Solange dauert es, bis das Gewebe wirksam geheilt und das Fett abtransportiert ist."Ziyad Al Chiriki von der Klinik für kosmetisch-plastische Chirurgie in Leipzig hält die Prognose für unseriös. "Der Haupteffekt einer Fettreduktion per Ultraschall muss sich wie beim Fettabsaugen spätestens nach vier bis sechs Wochen zeigen", sagt der Plastische Chirurg. Ohnehin sind die Ultraschallverfahren nach Auskunft des Leipziger Professors mit Vorsicht zu genießen. "Mit den meisten Geräten lassen sich in der ersten Sitzung maximal zwei Zentimeter Bauchfett entfernen. Bei weiteren Sitzungen etwa 1 bis 1,5 Zentimeter am Bauch, noch weniger an anderen Körperzonen", berichtet Al Chiriki, der mehrere Geräte getestet hat. "Häufig haben die Patientinnen aber sehr große Erwartungen und sind hinterher enttäuscht."Um das zu vermeiden, rate er nur Menschen zu der Methode, die nicht zu dick seien. Außerdem warnt Al Chiriki davor, mögliche Nebenwirkungen zu verharmlosen. Komplikationen wie eine Fettembolie oder die Verletzung von Gefäßen oder Nervenbahnen - wie sie beim Fettabsaugen entstehen - sind zwar höchst unwahrscheinlich. "Werden die Geräte aber nicht fachgerecht eingesetzt, könnte es zu Blutergüssen, Schwellungen und Unebenheiten kommen", sagt Al Chiriki. Wenn zu viel Fettgewebe zerstört werde, behindere das zudem den Abtransport des Fettes. Im schlimmsten Fall könnten sich Ölzysten bilden, die verkapseln.Außerdem sollten sich Patienten mit Leber- und Nierenerkrankungen vorher mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Auch bei ihnen könnte es zu Problemen mit dem Abtransport und der Ausscheidung der gelösten Fette kommen.Die Studienlage bestätigt Al Chirikis Skepsis: Bis heute gibt es weltweit keine anerkannte Untersuchung, die die Wirkung des Verfahrens beim Menschen zweifelsfrei belegt. In den USA ist Liposonix daher von der Zulassungsbehörde FDA bis heute nicht anerkannt.Die beste und billigste Methode, um Fettzellen zu entleeren, bleiben also vernünftige Ernährung und viel Bewegung. Wer dennoch die überflüssigen Pfunde mithilfe des Ultraschalls loswerden will, sollte wenigstens einen Preisvergleich starten: Je nach Region und Klinik zahlt man dafür zwischen 250 und 1 000 Euro pro Sitzung.------------------------------"Häufig haben die Patientinnen sehr große Erwartungen und sind hinterher enttäuscht." Ziyad Al Chiriki, Plastischer Chirurg, Leipzig

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