Ultraviolettes Strahlen: F 6 - Award

Wäre es nach der Lautstärke der Fans gegangen, hätte es beim Finale des F6 Music Awards nur einen Sieger geben können: Die Leipziger Band Barbie Q hatte einen Fanblock mit in den Tränenpalast gebracht, der frenetisch Fähnchen schwenkte und seine Band feierte. Neben Barbie Q, der besten Nachwuchsband Sachsens, spielten fünf weitere Gruppen beim wichtigsten Pop-Musikwettbewerb des Ostens um einen Plattenvertrag. Doch das "Barbie Q"- Gebrüll war nicht etwa Ausdruck der Intoleranz gegenüber den Konkurrenten, sondern stand für die Leidenschaft, die in dieser Nacht im Tränenpalast herrschte und das Finale zu einem echten Ereignis machte. Die sechs Newcomer-Bands, Sieger der Wettbewerbe der Bundesländer, standen allesamt vor der größten Herausforderung ihrer Karriere: Dank der flächendeckenden Plakatierung war der Tränenpalast mit weit über tausend Besuchern bis zum Bersten gefüllt, Sound und Bildregie der Videowand genügten professionellen Standards, die Jury war nicht nur prominent, sondern kompetent besetzt und das Publikum ausgesprochen fair. Gar nicht so selbstverständlich bei einem stilistischen Reigen von Death Metal bis zum Synthie Pop.Die Vertreter der südlichen Länder Sachsen und Thüringen kamen am gefälligsten daher. Barbie Q boten netten Britpop zum Mitwippen, Boscoe Rich aus Friedrichroda spielten etwas anbiederischen Poprock im Stile von Bon Jovi. Es spricht für den F6 Music Award, daß er auch Vertretern der härteren Gangart Chancen einräumt. So war die Demminer Band Red Ink völlig überrascht, daß sie als Heavy-Metal-Band den Landesausscheid Mecklenburg-Vorpommerns gegen diverse Dance-Projekte gewinnen konnte. Auch im Tränenpalast überzeugten die fünf langhaarigen Burschen mit ihrem berserkerhaften Kraftrock. Noch extremer wirkten Zombie Joe aus Halle mit ihrem morbiden, schaurig-schönen Gruftrock. Ihr Sänger Cornelius Ochs wand sich wie ein Besessener auf der Bühne. Die beiden Berliner Vertreter brachten elektronisch unterstützten, rhythmisch straff strukturierten Großstadt-Pop ins Spiel. Puppe 3000, ein Projekt um die Sängerin und Bassistin Franziska Schubert, versuchte es mit der Mischung DJ plus Drums plus Stimme. Mehr als der unterkühlte, an Annette Humpe erinnernde Sprechgesang von Schubert, sorgte allerdings ihr Unterwäsche-Outfit für Aufregung. Ultra Violet dagegen legten einen furiosen Auftritt hin, der selbst Death-Metal-Fans die Kinnladen vor Staunen herabklappen ließ. Ihre Mischung aus Drum n Bass, House und TripHop bestach durch die Reibung zwischen der aggressiv donnernden Rhythmusgruppe und den eingängigen Pop-Melodien. Sängerin Sandra Baschin, zuvor schon bei der Band Sinai und im Leipziger Musical "Elixier" aufgefallen, besitzt eine grandiose, modulationsreiche Stimme und echte Star-Qualitäten. Doch die Geburt eines Stars bleibt ein Glücksspiel. Die Leipziger Pop-Gruppe Everlasting, Sieger der ersten Auflage des F6 Award 1997, war wirklich rührig betreut worden. Sie produzierte ihr erstes Album beim ostdeutschen Traditionslabel BMG/Amiga, wurde ins Fernsehen lanciert und als Vorgruppe für große Konzerte engagiert. Doch wer kennt Everlasting heute? "Uns kommt es nicht darauf an, einen Star zu entdecken", erklärte auch der Jury-Sprecher Fritz Rau, als er morgens, gegen viertel vier, endlich auf die Bühne kam. Viel wichtiger sei es gewesen, der unterentwickelten ostdeutschen Musikszene einen Schub zu geben. Das hat der F6 Music Award schon vor dem Finale erreicht: Über 700 Bands hatten sich beworben. Schon die Vorausscheide waren gut besuchte und heiß umkämpfte Wettbewerbe gewesen.So war es nicht nur eine Platitüde, alle sechs Bands als Sieger zu bezeichnen. Trotzdem mußten natürlich die Hauptpreise vergeben werden. Puppe 3000 bekamen als Drittplazierter eine Demoproduktion geschenkt. Zombie Joe, denen der Laudator Dirk Zöllner eine große Karriere voraussagte, konnten sich über zwei Profi-Studioproduktionen und die Pressung von 500 Demo-CDs freuen und die Sieger Ultra Violet dürfen bei BMG/Amiga ihre erste CD aufnehmen. Da versagte selbst der strahlenden Sandra Baschin die Stimme. Wer die beste ostdeutsche Nachswuchsband des Jahrgangs 99 live sehen will: Am Freitag spielen sie im Knaack Club.