Zwischen Barbarossaplatz und Schwäbischer Straße blühen die Sträucher, die Bäume zeigen satte Farbe. Dennoch ist die kleine Grünanlage in Schöneberg, die nach der jüdischen Frauenrechtlerin und Sozialwissenschaftlerin Alice Salomon heißt, wenig einladend. Sitzbänke sucht man dort vergebens. Das Bezirksamt ließ diese abräumen. Im Park traf sich, sehr zum Ärgernis von Anwohnern, die Trinkerszene. Jetzt gibt es nur noch drei schlichte Holzbänke auf einem umzäunten Kleinkinderspielplatz. Dort ist Trinken und Rauchen verboten. Viele Menschen nutzen den Alice-Salomon-Park nur noch als schnellen Durchgang - der Asphaltweg ist mit weißer Markierung extra geteilt für Fußgänger und Radfahrer."Es ist ein Schildbürgerstreich", sagt Günter Schwarz, Schöneberger und SPD-Mitglied. Der Betriebswirt sagt, dass jetzt auch noch die letzte Parkbank am Eingang Karl-Schrader-Straße entfernt wurde, um die Trinker zu vertreiben. Schwarz hält das für den falschen Weg: "Es gibt eben auch Menschen, die es sich nicht leisten können, in ein Restaurant zu gehen." Dass sich Leute auf der Straße treffen, um Alkohol zu trinken, müsse die Gesellschaft aushalten. Immerhin störe diese ja auch nicht, dass auf Terrassen vor Lokalen Alkohol genossen werde. "Wir können Probleme mit Menschen nicht dadurch lösen, dass wir sie vergraulen", sagt Schwarz. Zudem: Auch alte Leute hätten dadurch jetzt kein Plätzchen mehr im Park, wo sie sich ausruhen könnten. Außer sie gehen auf den Spielplatz.Oliver Schworck, SPD-Stadtrat, der nicht nur für die öffentliche Ordnung, sondern auch für das Grün zuständig ist, sagt, er habe keine andere Möglichkeit gesehen, als die etwa zehn Bänke zu entfernen. Es habe einen regelrechten Trinker-Tourismus in dem Park gegeben: "Die Leute, nicht nur junge, kamen auch aus anderen Bezirken", sagt er. Sie hätten getrunken, laut geredet und noch lauter Musik gehört. Die Anwohner seien aufgebracht gewesen, es habe Unterschriftensammlungen gegeben. Bänke wolle er im Alice-Salomon-Park jedenfalls nicht mehr aufstellen lassen. Zumal dieser sowieso etwas kleiner werde, wenn das umstrittene Bauprojekt des Hochtief-Konzerns an der Barbarossastraße 59/60 realisiert wird. Dort soll ein Haus abgerissen und durch ein Gebäude mit Luxuswohnungen ersetzt werden.Es ist nicht das erste Mal, dass der Bezirk durch das Abräumen von Bänken die Trinkerszene vertreibt. Schworck verweist auf den Wittenbergplatz. Dort sei das schon vor Jahren passiert. Andere Bezirke haben das Trinken in bestimmten Anlagen ganz verboten, in Tempelhof-Schöneberg gelten solche Verbote nur auf Spielplätzen. In Neukölln darf schon seit Jahren auf dem Rathausvorplatz kein Alkohol konsumiert werden, Mitte hat ein Verbot unter anderem für den Bereich zwischen Fernsehturm und Neptunbrunnen erlassen. Der deutsche Städtetag hatte 2007 sogar gefordert, Alkoholverbote für ganze Innenstädte zu verhängen. Doch Gerichte kippten pauschale Anordnungen, beispielsweise in Freiburg und Magdeburg.Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hält ein allgemeines Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen für keine geeignete Maßnahme, sagt ihre Sprecherin Regina Kneiding. Auch Verdrängungsmaßnahmen seien nicht wirklich hilfreich: "Das Problem wird nur an andere Orte verschoben." Stattdessen setze die Gesundheitsverwaltung auf Prävention, insbesondere bei Jugendlichen. Stadtrat Schworck wünscht sich klarere Regelungen: "Wir Bezirke müssen schließlich mit den Konflikten umgehen."Um Lösungsansätze soll es am 27./28. Mai bei einem Seminar des Deutschen Instituts für Urbanistik(Difu) in Berlin gehen: Im Seminar "Neue Sicherheitsanforderungen an die Städte" wird auch über den Umgang mit Alkoholkonsum und Störungen der öffentlichen Ordnung debattiert.------------------------------Trinken im FreienDas Straßengesetz von 1999 untersagte den Alkoholkonsum auf öffentlichen Straßen und Plätzen noch. Der Versuch der Ordnungsämter der Bezirke, dieses Verbot durchzusetzen, führte zu politischen Kontroversen und verlief letztlich im Sande. Im Straßengesetz von 2006, inzwischen mehrfach aktualisiert, wurde dieser Passus dann entfernt.Für Parks gilt das Grünanlagengesetz. Dort ist zwar auch nicht die Rede von Alkoholverbot. Doch die Bezirke können Ordnungen für die Parks erarbeiten, die Alkoholkonsum dort ausschließen. Die Ordnungsämter können dann dort kontrollieren.Der Bezirk Mitte hatte an sechs solcher Orte, die als Grünanlagen gelten, ein Alkoholverbot verhängt. Am Leopoldplatz in Wedding hielt er das gerade einmal ein Jahr durch. Trotz Repressalien bekam er die Szene nicht in den Griff. Jetzt bekommen die Suchtkranken dort einen Aufenthaltsbereich mit WC.------------------------------Foto: Nur noch Durchgangsstation: der Alice-Salomon-Park in Schöneberg.