Umfrage: Balkan-Krieg nur zweitwichtigstes Thema / Mehrheit für Bonner Kosovo-Politik: Arbeitslosigkeit ist größte Sorge der Deutschen

BERLIN, 7. Mai. Trotz des Krieges im Kosovo steht das Thema Arbeitslosigkeit für die Deutschen weiter an erster Stelle. 73 Prozent sagten bei der aktuellen "Infratest Dimap"-Umfrage, dies sei für sie das wichtigste Problem, das in Deutschland gelöst werden müsse. Der Kosovo-Konflikt beziehungsweise der Wunsch nach Frieden in Jugoslawien wird am zweithäufigsten, mit 23 Prozent, spontan als wichtigstes Thema angeführt. Der Kosovo-Krieg wirkt sich zusammen mit der Arbeitsmarktlage offenbar auch auf die Stimmung in der Bevölkerung aus. 61 Prozent sind der Ansicht, daß die Verhältnisse Anlaß zur Beunruhigung geben, nur 34 Prozent äußern sich zuversichtlich. Bitter für die SPD ist, daß die Bürger ihr kaum noch zutrauen, die Arbeitsmarktprobleme zu lösen. Statt 21 Prozent im Februar sprechen ihr nur noch vier Prozent die Kompetenz auf diesem Gebiet zu. Dabei wird die allgemeine wirtschaftliche Lage zunehmend besser beurteilt. 44 Prozent finden sie gut oder sehr gut, im April waren es 35 Prozent. Zustimmung zum Nato-Einsatz Die Nato-Luftangriffe werden von den Befragten mehrheitlich befürwortet, die Zustimmung fällt aber weit knapper aus als im April: damals befürworteten 61 Prozent den Nato-Einsatz, heute nur noch 51 Prozent. Gleichzeitig stieg die Ablehnung von 30 Prozent auf 43 Prozent. Die Zustimmung zum Nato-Einsatz nimmt aber nicht kontinuierlich ab, das Meinungsbild entwickelt sich über die letzten fünf Wochen gesehen eher wellenförmig. Mit ausschlaggebend für die Schwankungen scheint die jeweilige Nachrichtenlage zu sein: Als Mitte des vergangenen Monats ein Zug und eine Gruppe von Kosovo-Flüchtlingen versehentlich unter Nato-Beschuß gerieten und die Bilder von getöteten unbeteiligten Zivilisten die Berichterstattung bestimmten, herrschte zwischen Befürwortern und Gegnern fast ein Patt (49 zu 44 Prozent). Im Zuge der verstärkten diplomatischen Bemühungen und angesichts des nicht enden wollenden Flüchtlingselends stieg dann die Zustimmung zu den Nato-Einsätzen fast wieder auf das Ausgangsniveau um dann aber ebenso rasch wieder zu sinken, als ein weiteres Mal die Zivilbevölkerung von den Nato-Einsätzen betroffen war. Von den SPD- und FDP-Anhängern unterstützen jeweils knapp zwei Drittel den Kurs der Bundesregierung. Ein gespaltenes Meinungsbild herrscht dagegen bei den Anhängern der Grünen (49 Prozent Zustimmung, 43 Prozent Ablehnung) und zwischenzeitlich auch in der Union vor (51 zu 43 Prozent). In der westdeutschen Bevölkerung trifft das Vorgehen der Nato wie im April auf mehrheitliche Zustimmung (56 Prozent), während sich die Bevölkerung in Ostdeutschland heute klar gegen den Einsatz ausspricht (68 Prozent). Im April hielten sich noch Zustimmung und Ablehnung die Waage. Bei den Grünen spricht sich bemerkenswerterweise insgesamt nur jeder Dritte für eine sofortige Feuerpause aus. (ro.)