Sahra Wagenknecht legt Wert darauf, politisch nicht wie der siamesische Zwilling von Oskar Lafontaine behandelt zu werden, auch wenn sie privat mit ihm liiert ist. Sie tut dies völlig zu Recht. Dieser Anspruch setzt allerdings voraus, dass Wagenknecht sich selbst entsprechend verhält. Derzeit ist das Gegenteil der Fall.

Zunächst machte sie gemeinsam mit dem 69-jährigen Lafontaine Stimmung gegen den Euro und nahm die Partei Alternative für Deutschland in Schutz. Jetzt wendet sich Wagenknecht dagegen, südeuropäischen Jugendlichen Ausbildungsplätze zu geben. Deutsche sollten Vorrang haben, sagt sie.

Der Vorstoß erinnert fatal an einen Satz Lafontaines aus dem Jahr 2005. Damals erklärte er: „Der Staat ist verpflichtet, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Er ist verpflichtet zu verhindern, dass Familienväter und -frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen."

Widerspruch aus der Partei 

Das Paar versucht ganz offenbar, die Linke ein bisschen auf rechts zu drehen. Für die Partei ist das fatal. Denn es zerstört das, was die Linke zuallererst für sich in Anspruch nimmt: internationalistisch und solidarisch zu sein. Der interne Widerspruch ist längst da. Fraktionsvize Dietmar Bartsch sagt: „Wir werden nicht arbeitslose Jugendliche in Griechenland, Spanien und Deutschland gegeneinander ausspielen. Die Merkel‘sche Politik hat die chaotischen Verhältnissen in den südeuropäischen Ländern hervorgebracht. Es gibt daher auch eine deutsche Verantwortung.“

Der Außenpolitiker Stefan Liebich tut kund: „Ich verstehe jeden Südeuropäer, der wegen der deutschen Kürzungspolitik daheim keine Perspektive sieht. Deswegen kämpfen wir dagegen, freuen uns aber auch über jeden, der hier leben und arbeiten will. Die Linke ist für offene Grenzen.“ Hinter vorgehaltener Hand wird über Wagenknechts Aussage gemunkelt: „Das geht gar nicht – erst recht nicht für eine linke Partei.“

Die eigenen Leute gewinnen, nicht provozieren

Das Ganze ist übrigens nicht allein politisch fatal, sondern auch persönlich. Lafontaine nämlich hat in den vergangenen Monaten durch eine seltsam erratische Strategie der Selbstisolation politisch immer mehr an Boden verloren. Doch ihm kann das egal sein. Der Chef der saarländischen Linksfraktion reitet der Abendsonne entgegen.

Wagenknecht ist Anfang vierzig und intellektuell ebenso hoch begabt wie rhetorisch. Aus ihr könnte noch was werden. Das würde aber voraussetzen, dass sie die eigenen Leute für sich gewinnt, statt sie zu provozieren. Letzteres tut sie gerad mit Wonne. Und setzt obendrein das Profil aufs Spiel, eine ganz und gar eigenständige Frau zu sein.