Ungeborene Kinder und Säuglinge reagieren empfindlicher auf Giftstoffe, Strahlung oder andere Umwelteinflüsse als Erwachsene. Während einer Schwangerschaft passt sich der Körper an die veränderten Bedingungen an. Doch müssen auch die werdenden Eltern häufig ihre bisherigen Lebensgewohnheiten auf die Schwangerschaft einstellen. Alkohol und Tabak sind während einer Schwangerschaft tabu. Aber auch andere Stoffe können zu einer Belastung für das Ungeborene werden -in einigen Fällen auch dann, wenn sie bereits vor Beginn einer Schwangerschaft in den Körper der Mutter gelangt sind: Einige Stoffe werden im Fettgewebe der Mutter gespeichert, wie etwa polychlorierte Biphenyle (PCB), sie werden über das Fettgewebe an das Kind weitergegeben. Die Entwicklung des Kindes ist zwischen der vierten und achten Schwangerschaftswoche am empfindlichsten.Alkohol und Tabak meidenDaher sollten Frauen besonders inden ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft darauf achten, sich keinen Schadstoffen auszusetzen. In dieser Zeit werden beim Embryo die Gewebe und Organe gebildet. Schadstoffe wirken auf das Kind ein, so dass es zu Fehlbildungen kommen kann. Die Schädigungen müssen nicht immer sofort und offensichtlich auftreten.Manche Störungen machen sich erst im späteren Leben des Kindes bemerkbar. Dazu zählen beispielsweise Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwierigkeiten. Bekannt ist diese Reaktion bei organischem Quecksilber oder PCB. Andere Stoffe wiederum, die vor der Geburt auf das Kind einwirken, können die Fortpflanzungsorgane schädigen, somit kann es im späteren Leben zu einer Unfruchtbarkeit kommen. Auch radioaktive Strahlung ist nicht nur schädlich für die Mutter, sondern auch für das Kind im Mutterleib. Um das heranwachsende Kind zu schützen, können werdende Eltern versuchen, den Gefahren aus dem Weg zu gehen. Auf Platz eins der gefährlichen Stoffe steht immer noch der Alkohol. Schon kleine Mengen Alkohol sind besonders in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten schädlich.Kinder, die im Mutterleib regelmäßigem Alkoholkonsum ausgesetzt waren, kommen häufig mit körperlichen und geistigen Entwicklungsrückständen zur Welt. In der Regel ist es schwierig, alle Defizite wieder aufzuholen. Die so genannte "Alkohol-Embryopathie" trifft Babys ganz unterschiedlich schwer. Einige von ihnen haben mit Herzfehlern zu kämpfen, andere wiederum mit Hirnschäden, Hyperaktivität oder Hörstörungen. An zweiter Stelle der Gefahrenquellen steht das Rauchen. Der Rauch einer Zigarette enthält etwa 4000 verschiedene giftige und krebserregende Stoffe, darunter Arsen, Benzol, Blei, Teer und Kohlenmonoxyd. Ungeborene reagieren auf Zigaretten mit Entwicklungsproblemen und Gewichtsverlust. Über den Kreislauf der Mutter gelangt jeder Zug auch zum Kind. Dabei verengen sich die Blutgefäße und stören die Sauerstoffversorgung des Babys. Nicht selten kommt es durch das Rauchen zu einer Frühgeburt.Aber auch vor anderen schädlichen Stoffen können sich die werdenden Eltern schützen. Bestimmte Schadstoffe wie etwa Schwermetalle befinden sich seit Jahren in unserer Nahrung. Grundsätzlich können Schwangere darauf achten, dass Obst und Gemüse vor dem Verzehr gewaschen und geschält werden. Nahrungsmittel aus biologischem Anbau sind zwar nicht mit Pflanzenschutzmittel in Berührung gekommen, dennoch können sich dort Schadstoffe aus dem Boden angereichert haben. Die meisten in Deutschland untersuchten Lebensmittel weisen keine bedenklichen Schadstoffbelastungen auf. Allerdings zeigten sich Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, die die zugelassenen Höchstmengen überschritten, in verschiedenen Obst- und Gemüsearten.Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) legt dazu jährlich die "Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände" vor. Nach dem Bericht zeigten 2006 etwa 38 Prozent der Proben keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Zu den Obst- und Gemüsesorten, die die Höchstmenge überschritten, zählen Paprika, Ruccola, Tafeltrauben, Auberginen und Johannisbeeren. Dennoch hat nicht jede Überschreitung der Höchstwerte gleich eine gesundheitlich bedenkliche Auswirkung. Um die Risiken einer Schadstoffaufnahme gering zu halten, empfiehlt sich eine ausgewogene Mischkost.Viele werdende Eltern nehmen vor der Geburt ihres Kindes häufig den Stress eines Umzuges in Kauf, damit alles vorbereitet ist, wenn das Kind kommt. Oft werden dabei die neue Wohnung komplett renoviert und neue Möbel gekauft. Hier gilt es zu bedenken, dass die Ausdünstungen aus Farben, Lacken und neuen Möbeln an die Umgebungsluft abgegeben werden. Über die Atemluft gelangen die Chemikalien zum Kind. Auf umfassende Renovierungsarbeiten sollten Schwangere verzichten -oder sie nur mit schadstoffarmen Farben und Lacken durchführen. Das Siegel mit dem Blauen Engel weist auf schadstoffarme Produkte hin. Nach der Renovierung ist es ratsam, alle Räume gut zu lüften.Gefährliche FlugreisenViele werdende Eltern möchten noch einmal die Zweisamkeit genießen, bevor der Nachwuchs das Leben umkrempelt. Dann stellt sich die Frage: Wirkt sich eine Flugreise schädigend auf das heranreifende Kind aus?Ob schwangere Frauen fliegen dürfen, ist umstritten. Jede Flugreise ist für Personal und Passagiere mit einer geringen Strahlenbelastung verbunden. "Die Strahlenbelastung spielt ab dem dritten Monat der Schwangerschaft keine große Rolle", so der Flugarzt Jürgen Wirth. Sie sei lediglich für Vielfliegerinnen gefährlich. Ein einzelner Flug hingegen sei kein Risiko für die Schwangere. Auch der Berliner Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte, Albrecht Scheffler, schätzt die Strahlenbelastung gering ein: "Schwangere Frauen, die sich der Sonne oder dem Solarium aussetzen, sind ähnlich gefährdet."Je höher das Flugzeug fliegt und je länger die Flugreise dauert, desto stärker ist die Belastung. Interkontinentalflüge, speziell Nordrouten, sollten vermieden werden: Bei Flügen über den Polen ist die Strahlenbelastung doppelt so hoch wie bei Äquatorflügen, berichten Wissenschaftler. Langstreckenflüge erhöhen wegen der beengten Sitzsituation die Thrombosegefahr, die bei Schwangeren ohnehin schon erhöht ist. Regelmäßiges Wassertrinken und gelegentliche Bewegung ist daher auf langen Flügen extrem wichtig.------------------------------SCHÄDLICH FÜR DAS UNGEBORENEWie gelangen Nährstoffe und Gifte zum ungeborenen Kind?An der Stelle der Gebärmutterwand, an der sich das Ei einge-nistet hat, bildet sich der Mutterkuchen, die Plazenta. Die Plazenta ist das wichtigste Organ in dem vorgeburtlichen Versorgungssystem, das Bindeglied zwischen Mutter und Kind. Von ihr bezieht das Ungeborene über die Nabelschnur Nahrung und Sauerstoff: alles, was es zu seinem gesunden Wachstum braucht.Die so genannte Plazentaschranke hat eine wichtige Funktion. Sie ist eine natürliche Barriere zwischen mütterlichem und kindlichem Blut und verhindert den direkten Blutaustausch zwischen Mutter und Kind. Sie hält viele Gift- und Schadstoffe vom Blutkreislauf des Kindes fern -aber nicht alle.Welche Stoffe sind schädlich? Welche Stoffe diesen Filter passieren können und welche nicht, hängt von ihrer chemischen Zusammensetzung und der Größe der Moleküle ab. Das erklärt beispielsweise, warum einige Medikamente unbedenklich sind, andere aber dem Kind sehr schaden können. Früher ging man davon aus, dass der Mutterkuchen das Kind wie eine Art Schranke vor Giften schützt. Alkohol und andere Gifte wie Nikotin passieren die Plazentaschranke jedoch problemlos. Der Alkoholspiegel des Fötus ist deshalb genauso hoch wie der der Mutter. Auch einige Krankheitserreger, wie etwa Röteln und Toxoplasmose, können ungehindert passieren.Wie schädlich ist Feinstaub?Bisher waren Forscher davon ausgegangen, dass Luftverschmutzungen dem Ungeborenen wenig anhaben können, dass sie den Kinderlungen erst im Schulalter zu schaffen machen. Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass zuviel Feinstaub in der Luft die Föten schädigen kann. Bei ihnen fand sich später eine Neigung zu Atemwegsentzündungen.Weitere InfosBeim Umweltbundesamt kann die Broschüre "Start ins Leben -Einflüsse aus der Umwelt auf Säuglinge, ungeborene Kinder und die Fruchtbarkeit" kostenlos herunter geladen werden: www.umweltbundesamt.de/gesundheit/index.htm------------------------------Foto: Über die Muttermilch kann der Säugling Gifte aufnehmen.Foto: Schwangere müssen auf Umweltgifte achten, wenn das Kind gesund bleiben soll.