BERLIN. Europas Fluggesellschaften wollen mehr für den Klimaschutz tun. Die Lufthansa gab gestern bekannt, dass ihre Kunden ab sofort freiwillig Abgaben für die durch ihren Flug entstehenden CO2-Emissionen leisten können. Die Fluggesellschaft kooperiert hier mit der Schweizer Initiative Myclimate. So kostet die Abgabe für einen einfachen Flug von Frankfurt am Main nach Los Angeles 18 Euro. Das Geld steckt Myclimate dann in Klimaschutzprojekte.Auch andere europäische Fluglinien bieten derartiges an. Seit August hat der Billigflieger Easyjet als einzige Fluglinie die Klimaabgabe direkt in seine Internetseite integriert. Nach Angaben von Easyjet ist die Resonanz bei den Kunden gut. Über drei Prozent der Kunden würden bei der Buchung eine CO2-Abgabe leisten. So kostet die Easyjet-Abgabe bei einem Flug von Berlin nach Barcelona rund 2,40 Euro.Umweltverbände kritisieren die Angebote der Fluggesellschaften. "Die Lufthansa betreibt Schönfärberei", sagte Matthias Seiche vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die CO2-Abgaben seien zu niedrig. "Die Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen", so Seiche. Die Berechnungen der Lufthansa berücksichtigten nur die CO2-Emissionen der Flugzeuge. Nicht berechnet würden aber der entstehende Wasserdampf und andere Schadstoffe. Auch diese würden in erheblichem Maße zur Klimaerwärmung beitragen. Seiche zeigte sich "irritiert", dass die Berechnungen von Myclimate für Lufthansa-Passagiere um die Hälfte günstiger seien, als für reguläre Myclimate-Kunden. "Die haben der Lufthansa wohl möglichst niedrige Werte vorgelegt, um den Auftrag zu bekommen."Auch der Umweltverband WWF kritisierte den Klimaaufschlag der Lufthansa als "zu niedrig". Emissionen in großen Höhen heizten den Treibhauseffekt weitaus stärker an als der Kohlenstoffdioxidausstoß am Boden. "Ein realistischer Klimaobolus müsste etwa drei Mal so hoch ausfallen." Der WWF forderte eine Kerosinsteuer und die Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel.Bei dem Anbieter Atmosfair, der mit Berechnungen des Umweltbundesamtes arbeitet, sind die Berechnungen höher als bei der Lufthansa. So kostet die Abgabe für einen einfachen Flug von München nach New York bei der Lufthansa zwölf Euro. Bei Atmosfair schlägt er mit 44 Euro zu Buche. Grundlage für die Berechnung ist das Gewicht des ausgestoßenen CO2.Kauf sparsamer FlugzeugeNach Informationen des Bundesumweltministeriums hatte sich die Lufthansa zunächst an den Anbieter Atmosfair gewendet und um eine Kooperation gebeten. Im Beirat von Atmosfair sitzen zwei Mitarbeiter des Ministeriums. Der Beirat von Atmosfair lehnte eine Zusammenarbeit mit der Fluggesellschaft jedoch ab, weil diese zu niedrige Abgaben forderte.Die Lufthansa verteidigte ihre Maßnahmen für den Klimaschutz. So seien die niedrigen Berechnungswerte darauf zurückzuführen, dass man nur die CO2-Emissionen berücksichtige. Es sei noch ungeklärt, ob die anderen Schadstoffe wirklich klimaschädlich seien. Die Lufthansa verwies auf ein umfangreiches Programm zum Klimaschutz. So kaufe man in den nächsten Jahren sparsamere Flugzeuge für über zwölf Milliarden Euro.------------------------------"Die Lufthansa betreibt Schönfärberei." BUND