Nach intensiven Gesprächen hat der französische Präsident der UN-Klimakonferenz, Laurent Fabius, einen neuen Vertragsentwurf vorgelegt. Er habe bei wichtigen Knackpunkten aber noch mehrere Optionen, sagte Fabius am Donnerstagabend. Dazu zählten die Finanzhilfen für ärmere Staaten, die gerechte Verteilung der Pflichten für alle Länder, etwas zu tun, und die nötige Erhöhung der Klimaschutzziele. Der Entwurf schrumpfte leicht von 29 auf 27 Seiten. Fabius sagte, er hoffe, am Freitag in der Lage zu sein, einen ehrgeizigen Text vorzulegen, der einen verbindlichen Weltklimavertrag möglich macht.

„Sehr kompliziert“

Am Nachmittag noch hatte die Chefdelegierte der EU bei der Pariser Weltklimakonferenz, Elina Bardram, von den Schwierigkeiten berichtet. „Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns, es ist alles sehr kompliziert“. Blass und übernächtigt saß sie auf dem Podium, wo sie an der Seite der Kollegen aus China, Südafrika und Osttimor sagen soll, wie es denn nun um das Weltklimaabkommen steht.
Von einer Zielgeraden, auf die man eingebogen sei, war am Mittwoch die Rede. Wenn es denn eine Zielgerade ist, dann ist sie mit hohen Hürden bestückt. Alf Wills, der Vertreter Südafrikas, erwartete einen Vertragsabschluss erst für Sonnabend.

Dabei hatten die Delegierten in ihren Arbeitsgruppen bis morgens um fünf Uhr um Kompromisse gerungen. Chinas Vertreter Gao Feng erzählte von stundenlangen Verhandlungen in einem kleinen Raum, an dessen Wänden Papiere hingen. Doch der Fortschritt bemaß sich vorerst anhand der Zahl der aus dem Vertragstext entfernten Klammern, die einrahmen, was strittig ist. Von 1400 Klammern am 3. Dezember sind eine Woche später noch immer 350 übrig. Und nach Auskunft des Südafrikaner Wills waren gerade die wichtigsten Themenblöcke noch immer mit Klammern gespickt.

Den Kontrollmechanismus zählte er dazu, sprich: die Verpflichtung, im Fünfjahresrhythmus beim Klimaschutz nachzubessern und damit möglichst früh zu beginnen. Wenn es nach den Europäern geht, soll bereits 2021, also ein Jahr nach Inkrafttreten des in Paris Verabschiedeten, nachgelegt werden. Doch der Widerstand gegen einen so frühen Termin ist heftig.

Wer muss wie viel zahlen?

Gestritten wird weiterhin auch noch über die Finanzierung des Klimaschutzes, also die Frage, wer in welchem Umfang zur Kasse gebeten wird oder aber finanzielle Unterstützung erhält, um den Ausstieg aus Kohle, Gas und Erdöl voranzutreiben. Staaten wie China und Saudi-Arabien sehen sich als Entwicklungs- und damit Empfängerländer. Die USA sehen das anders.

Nicht zu vergessen das Kapitel Klimawandel und Schadenersatz. Ganz gleich, in welchem Umfang sich die Staatengemeinschaft auf eine Entschädigung der Opfer des Klimawandels verständige, in jedem Fall greife eine Regelung in komplexe völkerrechtliche und versicherungsrechtliche Zusammenhänge ein, sagte Wills. Präzedenzfälle würden geschaffen, deren Bedeutung weit über den Klimaschutz hinausgehe. Auch dies berge Konfliktstoff.

Der frühere Staatschef veranschaulicht die Komplexität der Verhandlungen am Beispiel des eigenen Landes. Auf den ersten Blick, sagt Ramos-Horta, sei Osttimor ein klarer Fall: eines dieser so verwundbaren und zugleich so vorbildlichen Länder, die den Klimawandel fürchten müssten, zu dem sie selbst nicht beigetragen hätten.

„Wir stoßen keinerlei CO2 aus“, stellt er klar. Bei näherer Betrachtung zeige sich dann freilich, dass Osttimor Gas und Erdölvorkommen besitze, den fossilen Brennstoff in vollem Umfang nach Japan exportiere und die Einnahmen aus dem Exportgeschäft in den USA anlege. Was wiederum in Japan wie den USA die CO2-Emissionen mehren dürfte. (mit dpa)